Intel hat am Freitag rund 29% verloren — der schwächste Handelstag seit dem 5. Juli 1974 — nach einer Prognose, die den Markt kälter traf als jede enttäuschende Chip-Zahl der vergangenen Jahre. Die Ironie liegt im Quartal selbst: Intel übertraf die Schätzungen mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 0,52 Dollar, und die Erlöse im Rechenzentrumsgeschäft sprangen auf 7,3 Milliarden Dollar, ein Plus von rund 78% gegenüber dem Vorjahr.

Die Aktie fiel zeitweise um 30% und schloss nahe 65 Dollar. Nach Berechnungen von Yahoo Finance auf Basis von Norgate-Kursdaten seit Mai 1973 gab es nur zwei schlechtere Tage: minus 29,9% am 5. Juli 1974 und minus 26,1% am 2. August 2024. Mehr als 100 Milliarden Dollar Marktwert waren an einem Tag weg. Die Aktie hat sich seit ihrem Rekord vom Juni halbiert und steht selbst nach dem Einbruch noch rund 80% über dem Jahresanfang.

Der Ausblick, nicht das Quartal

Der Bruch kam mit der Guidance. Intel erwartet für das vierte Quartal 15 bis 16 Milliarden Dollar Umsatz — Analysten lagen bei rund 17 Milliarden — und 0,25 Dollar Gewinn je Aktie gegen erwartete 0,43 Dollar.

Der Grund ist nicht Nachfrageschwäche nach KI. Es ist die Kehrseite davon. Rechenzentren saugen den weltweiten Speicherchip-Markt leer, und die dadurch steigenden Preise verteuern Notebooks und Desktops. Intel rechnet nun mit einem Rückgang der PC-Auslieferungen um etwa 12% in diesem Jahr und um weitere 10% in 2027. Ein Unfall im israelischen Werk kostet zusätzlich rund 300 Millionen Dollar Umsatz im Schlussquartal.

Bernstein-Analyst Stacy Rasgon nannte den Ausblick „mit einem Wort: schrecklich“ und senkte sein Kursziel von 110 auf 75 Dollar. Dell und HP gaben ebenfalls nach und reihten sich in einen breiten Tech-Ausverkauf ein, der in dieser Woche auch Alphabet und Amazon traf.

Warum das mehr ist als eine Intel-Geschichte

Intel ist der einzige große PC-Chip-Hersteller, der die KI-Welle weder anführt noch von ihr getragen wird. Das Unternehmen verkauft Rechenzentrums-Chips, aber sein Umsatzfundament bleibt der PC — und der PC wird gerade von derselben Speicherknappheit erdrückt, die den KI-Ausbau befeuert. Intels eigenes Wachstum im Rechenzentrum reicht nicht, um diese Lücke zu schließen.

Für Entwickler und Einkäufer heißt das: Die Hardware-Kosten, die 2026 und 2027 auf sie zukommen, sind keine vorübergehende Erscheinung, sondern das Ergebnis einer Umverteilung von Speicherkapazität in Richtung KI-Beschleuniger. Intel erwartet keine Entspannung, bis Angebot und Preise bei Speicher normalisiert sind — und nennt dafür keinen Zeitplan.

Der Sanierungsplan trifft eine Wand

CEO Lip-Bu Tan, seit 2025 im Amt, sagte in der Telefonkonferenz: „Intel umzubauen wird eine mehrjährige Reise, und ich bleibe fest entschlossen, sie umzusetzen.“ Die Zahlen dieses Quartals zeigen, wie steil diese Reise ist: Das Unternehmen hat technologisch aufgeholt und Aufträge gewonnen, aber der zyklische Teil des Geschäfts fällt schneller weg, als der strukturelle Teil wächst.

Worauf zu achten ist

- Ob Speicherpreise und -angebot sich 2027 tatsächlich normalisieren. Intels Guidance hängt daran stärker als an eigenen Fortschritten. - Ob die Rechenzentrums-Sparte die 78%-Wachstumsrate halten kann, während der PC-Teil schrumpft. - Ob AMD und Nvidia in ihren Zahlen bestätigen, dass die Nachfrage nach KI-Silizium weiterhin stärker ist als der Gegenwind beim Client-Geschäft. - Ob Dell und HP ihre Preise anheben oder Margen opfern. Das entscheidet, ob die Speicherknappheit bei den Endkunden oder bei den Herstellern landet.