Genau zwei Jahre nach dem Start hat die Sonde Hera der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) ihr Ziel erstmals fotografiert. In einer aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzten Abbildung erscheint das Doppelasteroidensystem Didymos und Dimorphos vor dem Sternfeld als einzelner, etwas hellerer Pixel — aufgenommen aus rund 236.500 Kilometern Entfernung. Das Missionsteam musste die Bilder überlagern und photometrisch auswerten, bevor der Punkt überhaupt zu identifizieren war.

Das bescheidene Bild markiert das Ende der Cruise-Phase und den Beginn des anspruchsvollsten Abschnitts. Heras erster großer Triebwerksschub ist für den 15. Oktober angesetzt, ein zweiter für den 22. Oktober. Danach folgen drei kleinere Manöver, die die Relativgeschwindigkeit der Sonde gegenüber den Asteroiden nahezu auf null bringen sollen. Das ESA-Weltraumkontrollzentrum in Darmstadt steuert die Sequenz.

Zum Größenvergleich: Didymos misst etwa 780 Meter, sein Begleiter Dimorphos rund 150 Meter. Hera verfolgt die Folgen der NASA-Mission DART, die am 27. September 2022 mit etwa 6,1 km/s in Dimorphos einschlug. DART überstand den Einschlag nicht, weshalb Hera im Herbst 2024 startete, um die Folgen vor Ort zu untersuchen.

Der Einschlag verschob die beiden Körper nicht nur umeinander; er veränderte messbar auch ihren Orbit um die Sonne — das erste Mal, dass die Menschheit gezielt die Bahn eines Himmelskörpers verändert hat. Deshalb reichen Heras Ergebnisse über die Asteroidenforschung hinaus: Sie liefern die empirische Grundlage für die Frage, ob ein kinetischer Impaktor ein taugliches Mittel der planetaren Verteidigung ist, um einen gefährlichen Asteroiden abzulenken.

Verläuft die Ankunft nach Plan, beginnt Hera im November mit der Charakterisierung von Dimorphos, eine detailliertere Analyse folgt im Dezember. Anfang 2027 werden zwei kleine CubeSats ausgesetzt, von denen einer auf dem Mond landen soll. Hera selbst wird das Paar zunächst aus sicheren 25 bis 30 Kilometern erkunden, später auf zehn, vier und schließlich einen Kilometer herangehen.