Der Actionkamera-Pionier GoPro wird Teil der Rüstungs- und KI-Zulieferindustrie. Wie Anfang September bekannt wurde, hat sich GoPro mit Starman Optical zusammengetan – einem Spezialisten für optische Systeme für Verteidigung, Regierung, Robotik, Luft- und Raumfahrt. Die Transaktion hat ein Volumen von rund 285 Millionen Dollar beziehungsweise 1,14 Dollar je Aktie; die GoPro-Aktionäre erhalten eine Barzahlung. Starman hält nach dem Abschluss rund 90 Prozent des Unternehmens, GoPro bleibt börsennotiert. Der Abschluss wird für Ende 2026 erwartet.

Für eine Marke, die jahrzehntelang für Abenteuer und Extremsport stand – Kameras an Helmen, Surfbrettern und Fallschirmen –, ist das ein einschneidender Richtungswechsel. In der offiziellen Mitteilung ist von „neuen Märkten“ und der Nutzung der „robusten Technologie“ von GoPro die Rede. Heise und andere Medien interpretieren das so: Die Kameras, mit denen Mountainbiker Abfahrten filmten, sollen künftig auch in militärischen Drohnen, autonomen Fahrzeugen und Überwachungssystemen stecken. GoPro selbst nennt Verteidigung, Regierung, Robotik und Luft- und Raumfahrt sowie KI-Infrastruktur als künftige Schwerpunkte.

Wirtschaftlich ist der Schritt nachvollziehbar: GoPro kämpfte jahrelang mit sinkenden Verkaufszahlen, weil Smartphones immer bessere Videos aufnehmen und der Markt für dedizierte Actionkameras schrumpfte. Ein finanzstarker Kunde wie das Militär ist da verlockend. GoPro bringt in die Partnerschaft seine Kameratechnik, seine Marke und sein Fertigungs-Know-how ein; Starman steuert optische Systeme und Zugang zu staatlichen und Verteidigungsaufträgen bei. Das Unternehmen hatte zuletzt zudem mit Schulden von rund 92 Millionen Dollar zu kämpfen, die im Zuge der Transaktion adressiert werden sollen.

Für die GoPro-Community ist die Nachricht ein Schlag: Eine Marke, die einst Synonym für Freiheit und Abenteuer war, richtet sich nun an Verteidigungskunden aus. Ob es künftige GoPro-Kameras weiterhin im Einzelhandel geben wird oder die Produktion sich auf Aufträge für Behörden und Militär konzentriert, bleibt abzuwarten. Erste Reaktionen in Fotografie-Foren und sozialen Medien sind überwiegend kritisch.