Ghostty hat Version 1.4.0 veröffentlicht, nach sieben Monaten Arbeit — und die Release Notes lesen sich wie eine Liste dessen, was das Terminal bisher stillschweigend hingenommen hat.
Erstens der Speicher. Ghostty komprimiert jetzt Scrollback, der nicht auf dem Bildschirm steht — fortlaufend und im Hintergrund, während das Terminal im Leerlauf ist. Bei typischen, textlastigen Ausgaben schrumpfen diese Seiten um 70 bis 90 Prozent. Beim Zurückscrollen oder Suchen wird bei Bedarf entpackt, ohne spürbare Verzögerung. Weil die Seiten billiger geworden sind, stieg das Standardlimit von 10 auf 50 MByte pro Terminal — fünfmal mehr Verlauf bei weniger Speicher als zuvor. macOS-Builds geben zudem GPU-Speicher verdeckter Tabs frei: bei einem sichtbaren und zwanzig versteckten Tabs fällt der Grafikspeicher von rund 385 auf 18 MByte.
Zweitens der Durchsatz — und die Ursache dafür ist die eigentliche Erkenntnis. Unter macOS begrenzt der Kernel Lesevorgänge aus einem Pseudo-Terminal auf etwa 1 KByte, unabhängig von der Puffergröße. Das alte Design — synchron lesen, dann parsen — blockierte damit die Programme, die schrieben. Ghostty 1.4.0 verteilt das Leeren des Puffers und das Parsen auf zwei Threads und steigert den I/O-Durchsatz auf Apple-Systemen um 25 bis 55 Prozent. Auch der Parser selbst wurde schneller: Reiner ASCII-Text läuft mit 725 statt 128 MByte/s, sodass `cat` einer 150-MByte-Textdatei unter macOS von 1,5 Sekunden auf 566 Millisekunden fällt. Das ist wichtiger, als es klingt, denn Agenten- und Build-Ausgaben sind überwiegend ASCII.
Drittens die Grafik. Ghostty 1.4.0 ist der erste Terminal-Emulator neben Kitty selbst, der das Kitty-Grafikprotokoll vollständig implementiert — Animationen etwa für bewegte GIFs über `kitten icat`, und relative Platzierungen, bei denen sich ein Bild an einer anderen Grafik ausrichtet und mit ihr mitbewegt. SIMD-Befehle verarbeiten große Bilddatenströme rund 16-mal schneller als zuvor. Auch das Kitty-Clipboard-Protokoll (OSC 5522) kommt hinzu: Es überträgt beliebige MIME-Typen statt nur Text, sodass Konsolenprogramme einen eingefügten Screenshot annehmen können. Lesezugriffe auf die Zwischenablage brauchen weiterhin eine Bestätigung, und der Dialog zeigt nun eine Vorschau von Bildern.
Viertens — und am praktischsten für alle, die auf entfernten Rechnern arbeiten — das SSH-Problem. Moderne Terminals werben mit einem eigenen terminfo-Eintrag, hier `xterm-ghostty`, der auf dem Zielsystem meist fehlt. Die Folge sind kaputte Tastenbelegungen und Darstellungsfehler nach dem Verbindungsaufbau. `ghostty +ssh` legt sich um den regulären SSH-Client: Es kopiert die passende terminfo-Datei vor dem Verbinden auf den entfernten Rechner, reicht relevante Umgebungsvariablen weiter und fällt bei Fehlern sauber auf `xterm-256color` zurück.
Unter Linux wurde der Renderer umgebaut: Statt des Widgets `GtkGLArea` rendert Ghostty seine Bilder über EGL in einem eigenen Thread und übergibt sie per DMABUF an GTK — mit Dreifachpufferung, weniger Tearing und scharfen Schriften sowie Rahmenzeichen bei fraktionaler Skalierung wie 125 oder 150 Prozent. Geteilte Ansichten lassen sich nun per Drag and Drop umordnen wie unter macOS.
Zum Aufräumen: Zehn Sicherheitslücken sind geschlossen, darunter manipulierte Terminal-Ausgaben oder Verzeichnisnamen, die Abstürze oder untergeschobene Befehle ermöglichten. Anpassungen für macOS 27 kommen dazu; unter Linux sind nun GTK 4.18 und libadwaita 1.7 Pflicht, unter macOS Version 13. Windows-Nutzer bekommen nichts Neues — das Projekt hat die GUI-Unterstützung für Windows von der Roadmap gestrichen und verweist auf andere Terminals, die auf der Kernbibliothek `libghostty` aufbauen.




