Zwei Städte in Minnesota zeigen inzwischen, was passiert, wenn ein Vertrag mit Flock Safety gekündigt wird und die Hardware trotzdem bleibt: Jemand geht mit einem Seitenschneider nach draußen.

Plymouths Stadtrat beschloss im September, den Flock-Vertrag zu beenden. Mehr als einen Monat lang reagierte das Unternehmen nicht auf die Anfrage der Stadt, berichtet The Verge, und die Kameras blieben montiert und am Strom. Polizeichef Eric Fadden hörte auf zu warten. "Nachdem ich mehr als eine Woche nichts gehört hatte, wies ich meine Leute an, die Stromkabel von den Kameras zu trennen, um sicherzugehen, dass sie nicht funktionieren und keine Kennzeichen erfassen", sagte Fadden dem Portal The Drive.

Rund 30 Kilometer weiter hatte Dayton ein anderes Problem. Flock bestätigte die Kündigung und erklärte, der Abbau könne bis zu 60 Tage dauern. Dann wurde Mitte September ein Wartungsauftrag erstellt; die Stadt teilte dem Unternehmen am 18. September mit, das Programm sei ausgesetzt und es dürften keine Aufträge abgeschlossen werden, heißt es in einer Facebook-Erklärung der Stadt. "Leider wurde die Weisung der Stadt nicht befolgt, und die Kamera wurde ohne Genehmigung wieder in Betrieb genommen."

Flock antwortete The Verge weniger zu den beiden Orten als zur eigenen Bilanz: "Wir sind stolz auf die Wirkung, die unsere Technologie in Plymouth hatte", sagte Sprecher Andrew Smith – ohne auf die Kameras einzugehen, die nach Vertragsende weiter Kennzeichen erfassten.

Das Muster reicht über Minnesota hinaus. Henrico County in Virginia beschloss im Oktober, den Flock-Vertrag aus Datenschutzgründen zu beenden. Dutzende Kommunen haben im vergangenen Jahr Programme für automatische Kennzeichenerfassung (ALPR) debattiert oder gekündigt – meist mit Verweis auf Datenschutz, Datenweitergabe an andere Behörden und Fehlerquoten.

Was Plymouth und Dayton hinzufügen, ist weniger eine Datenschutz- als eine Beschaffungslektion. Ein Kündigungsbeschluss ist nicht dasselbe wie die Rückgewinnung der Kontrolle über ein System: Verträge mit Überwachungsanbietern bündeln Installation, Wartung, Datenhaltung und Abbau – und der Abbau ist der Schritt mit der geringsten kommerziellen Dringlichkeit. Städte, die sauber gekündigt haben, sicherten sich in der Regel einen schriftlich bestätigten Termin für den Abbau und legten in einigen Fällen die Geräte selbst still.

Flocks Verteidiger argumentieren, die Kameras lösten Straftaten, und das Unternehmen verweist auf Fälle, die mit ALPR-Daten aufgeklärt wurden. Die Kritiker haben nun ein einfacheres Argument: Wenn ein Anbieter sich entscheiden kann zu bleiben, geht es nicht mehr darum, ob die Technik funktioniert, sondern darum, wer sie tatsächlich kontrolliert.