Astronomen haben jetzt ein neues Bild des Nachthimmels: die größte zweidimensionale Karte des Universums, die je erstellt wurde. Das DESI-Legacy-Imaging-Surveys-Team veröffentlichte die 5,6 Billionen Pixel umfassende Farbkarte am Montag. Sie entstand aus 263.407 Teleskopaufnahmen, die an 2.285 Nächten gemacht wurden, und enthält fast 4 Milliarden Himmelsobjekte – überwiegend Sterne und Galaxien. Damit bedeckt sie rund 75 % des Himmels im sichtbaren und nahen Infrarotlicht.

13 Jahre Arbeit stecken in der Karte. Sie vereint Daten aus drei bodengebundenen Durchmusterungen – der Dark-Energy-Camera-Legacy-Survey (DECaLS) am NSF-Observatorium Cerro Tololo, der Mayall-z-Band-Legacy-Survey (MzLS) am Kitt-Peak-Nationalobservatorium und der Beijing-Arizona-Sky-Survey (BASS) am Steward Observatory der University of Arizona – ergänzt durch jahrelange Beobachtungen des NASA-Infrarotsatelliten WISE.

Die Verarbeitung des Mosaiks war ein Rechenmarathon: Etwa ein Jahr floss in die Entwicklung der Software, danach folgten acht Wochen Rechenzeit am Perlmutter-Supercomputer am NERSC-Rechenzentrum des Berkeley Lab. Mehr als 160 Wissenschaftler trugen zur Datenerhebung bei, ein Team von 20 erstellte den endgültigen Datensatz.

»Wenn man heute mit astronomischen Objekten arbeitet, beginnt man oft damit, den Legacy Imaging Viewer aufzurufen, um zu sehen, womit man es zu tun hat«, sagt David Schlegel, Co-Leiter der Legacy Surveys und Wissenschaftler am Lawrence Berkeley National Laboratory.

Die Karte ist weit mehr als ein hübsches Bild. Sie ist die Grundlage der spektroskopischen DESI-Durchmusterung, die die Entfernungen von Millionen Galaxien misst, um das Universum in 3D zu kartieren und die Dunkle Energie zu untersuchen – die rätselhafte Kraft, die die beschleunigte Ausdehnung des Kosmos antreibt. Frühere DESI-Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Einfluss der Dunklen Energie mit der Zeit schwächer werden könnte – ein Befund, der unser Verständnis vom Schicksal des Universums verändern könnte.

Die neue Karte wird seit Juni 2026 zur Auswahl der DESI-Ziele genutzt, und Astronomen erwarten, dass sie jahrelang die umfassendste 2D-Ansicht des Kosmos bleibt. Sie soll auch als Referenz für künftige Einrichtungen wie das Vera-C.-Rubin-Observatorium und das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop der NASA dienen und dabei helfen, KI-Werkzeuge für die Analyse riesiger astronomischer Datensätze zu trainieren. Die Daten sind über den Legacy Survey Sky Viewer frei zugänglich.