Der Asteroid, der die Kreidezeit beendete, machte den von ihm hinterlassenen Krater zugleich zu einer heißen, mineralreichen Quelle. Neue Datierungen legen nahe, dass diese Quelle rund 8 Millionen Jahre lang floss — viermal länger als frühere Schätzungen — und damit jedem Mikroorganismus, der sie fand, ein ungewöhnlich großzügiges Zeitfenster bot.

HINTERGRUND. Der Chicxulub-Einschlag vor 66 Millionen Jahren verformte Gestein bis in etwa 35 Kilometer Tiefe und schmolz enorme Mengen davon; der Kontakt mit Meerwasser machte das Gestein porös. Als heißes Wasser in die Poren sickerte, entstand unter der heute teilweise überfluteten Yucatán-Halbinsel ein hydrothermales System. 2016 bohrten Forschende in die Einschlagszone und bargen Proben; das System galt zuvor als etwa 2 Millionen Jahre lang aktiv.

WAS DIE NEUE ARBEIT FAND. Ein Team um Annemarie Pickersgill vom SUERC Centre for Isotope Sciences der University of Glasgow bohrte 1 Kilometer tief und datierte Feldspatproben über Kalium-Argon-Radioisotopenmessung. Da Argon aus geschmolzenem Gestein entweicht, hält das Verhältnis von Kalium-40 zu dem daraus entstehenden Argon-40 fest, wann das Gestein zuletzt erstarrte — und damit, wie lange Wärme anhielt. Die Argonwerte zeigen, dass das System von vor 66 bis vor 58 Millionen Jahren erhitzt blieb.

SIMULATIONEN PASSTEN. Computermodelle der hydrothermalen Aktivität am Ort ergaben: Abkühlung auf 90 °C dauerte in einem Kilometer Tiefe 1,5 bis 2,3 Millionen Jahre, Abkühlung unter 50 °C bis zu 5 Millionen Jahre, der Fluss sank nach 6 Millionen Jahren deutlich und endete nach 8 Millionen — konsistent mit den Isotopenaltern. "Längere Phasen hydrothermaler Aktivität erzeugen erweiterte Zeitfenster, in denen präbiotische chemische Reaktionen ablaufen, Leben entstehen und Mikroorganismen gedeihen und sich über ihren Ursprungsort hinaus ausbreiten können", sagte Pickersgill.

WARUM DAS JENSEITS DER ERDE ZÄHLT. Durch Einschläge erzeugte hydrothermale Systeme sind auf diesem Planeten verbreitet, doch Lebensspuren darin sind schwer zu finden: Bei nur acht der 70 Unterwasser-Einschlagkrater mit bekannter hydrothermaler Aktivität wurden Mikroben bestätigt. Das Chicxulub-Ergebnis betrifft das Habitabilitätspotenzial, nicht den Beweis von Bewohnern — die Arbeit belegt nicht, dass der Krater besiedelt war. Sie speist aber die Suche nach Leben anderswo: Chicxulub sei klein im Vergleich zu den auf der frühen Erde erwarteten und auf anderen Himmelskörpern beobachteten Einschlagsbecken, so Pickersgill, größere Einschläge könnten bewohnbare Bedingungen also mindestens mehrere Millionen Jahre aufrechterhalten haben. Das ist eine nützliche Randbedingung für die Bewertung des frühen Mars oder eisiger Monde.

Veröffentlicht in Communications Earth & Environment.