Der unheimliche rote Wasserfall, der aus dem Taylor-Gletscher in der Ostantarktis austritt, könnte seine grausige Farbe — und seine bloße Existenz — einem uralten, unter dem Eis eingeschlossenen Ozean verdanken.
Blood Falls, 1911 nach dem Antarktisforscher Griffith Taylor benannt, ist berühmt für die unregelmäßigen Austritte eisenreicher Sole, die beim Kontakt mit der Luft blutrot wird. Frühere Studien hatten anhand chemischer Signaturen und Bakterien einen Meeresursprung vorgeschlagen; die neue, am Montag in Nature Geoscience veröffentlichte Arbeit ergänzt dieses Bild um molekulare und genetische Belege.
Die Forscher analysierten 167 Proben von Wasser, Sediment und Luft aus der Umgebung des Wasserfalls und des weiteren McMurdo-Trockentals. Sie fanden heraus, dass die Sole und die rot gefärbten Sedimente von Blood Falls mehr als 9 % ihrer mikrobiellen Eukaryoten — Organismen mit membranumhülltem Zellkern — mit nahe gelegenen Ozeanproben teilen, während es an anderen Standorten im Trockental nur etwa 1 % sind. Entscheidend: Die Luft nahe dem Wasserfall enthielt nur einen winzigen Anteil mariner Mikroorganismen — die heutigen heftigen Winde können die Gemeinschaft also nicht vollständig erklären.
"Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eine Dominanz mariner eukaryotischer Linien im Gebiet von Blood Falls", schreiben die Autoren und nennen das marine Signal bei Prokaryoten — Einzellern mit frei im Zellraum schwebender DNA — "weniger ausgeprägt, aber dennoch nachweisbar".
Die wahrscheinlichste Geschichte: Während einer warmen Periode mit höherem Meeresspiegel, vor mehr als einer Million Jahren, sammelte sich Meerwasser dort, wo heute der Taylor-Gletscher liegt. Als der Gletscher vorrückte, versiegelte er den Pool — und seine mikrobiellen Bewohner — für Äonen unter dem Eis.
Das Team betont, dass weitere Arbeiten, einschließlich umfassenderer genetischer Profilerstellung, nötig sind, um zu bestimmen, wann der Gletscher die Sole einschloss. Doch die Ergebnisse untermauern das Bild einer uralten, isolierten Meereswelt unter dem antarktischen Eis.
Quellen
- livescience.comScientists uncover big clue as to how Antarctica's mysterious Blood Falls came to be — Live Science
- phys.orgMarine microbes point to ancient seawater source beneath Antarctica's Blood Falls — Phys.org
- doi.orgMolecular evidence for a relict marine community in an Antarctic Dry Valleys subglacial brine-fed system — Nature Geoscience




