Das deutsche Projekt Automated Train hat einen bedeutenden Meilenstein erreicht: eine erfolgreiche Demonstration vollautomatischer Zugfahrten auf offener Schieneninfrastruktur. Das Projekt, unterstützt durch 43 Millionen Euro Bundesförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), vereinte Partner wie Deutsche Bahn, Siemens Mobility, Codewerk, Red Hat und die Technische Universität Dresden.

Auf dem Gelände der Havelländischen Eisenbahn wurden zwei Zugtypen vorgeführt: ein Siemens Mobility Mireo-Nahverkehrszug und ein Alstom BR430 S-Bahn-Fahrzeug aus Stuttgart. Siemens Mobility zeigte seinen Mireo bei vollautomatischem Unattended Train Operation (UTO) -- der Zug macht sich auf Startbefehl hin selbstständig fahrbereit, überprüft alle sicherheitskritischen Funktionen, fährt dann fahrerlos von der Abstellanlage zum Startbahnhof und überwacht seine Umgebung kontinuierlich. Die Demonstration umfasste auch die automatisierte Rückführung des Zugs in die Abstellanlage.

Beide Fahrzeuge verfügten an der Fahrzeugfront über Sensoren zur Umfeld- und Hinderniserkennung. Während die Hardware weitgehend identisch war, kamen unterschiedliche Software zur Umfelderkennung zum Einsatz -- ein bewusster Vergleich konkurrierender Ansätze.

Eine wesentliche Voraussetzung ist das Europäische Zugbeeinflussungssystem (ETCS), das sicherstellt, dass Züge Höchstgeschwindigkeiten einhalten und bei Haltsignalen anhalten. Der ETCS-Ausbau in Deutschland verläuft schleppend, doch das Projekt zeigt, dass vollautomatisches Fahren im offenen Bahnnetz nun technisch machbar ist.

Was wir hier sehen, ist die Zukunft der Mobilität, sagte Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im BMWE. Fahrerlose Zugfahrten bieten gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Möglichkeiten, Bahnstrecken auch künftig weiterhin verlässlich bedienen und Züge flexibler einsetzen zu können.

Das Projekt Automated Train startete 2023 und ist eines der größten öffentlich geförderten autonomen Schienenprojekte in Europa. Die Technologie könnte helfen, den anhaltenden Arbeitskräftemangel im Eisenbahnbetrieb zu adressieren, wo Personalengpässe in mehreren deutschen Regionen bereits zu Streckeneinschränkungen geführt haben.