Ein am Mittwoch bei heise online/iX erschienener Kommentar zielt nicht auf die Fähigkeiten der KI, sondern auf das Finanzkonstrukt dahinter. Autor Axel Kannenberg zeichnet Anthropics geplanten Börsengang – laut Berichten mit einer Bewertung um zwei Billionen US-Dollar, während das Unternehmen hohe Verluste schreibt und Ausgaben in der Größenordnung einer halben Billion Dollar für Infrastruktur plant – als Vorlage einer breiteren Manie.

Der Kern der Argumentation betrifft die Finanzierung des Ausbaus. Kannenberg schreibt, die Investitionen in KI-Infrastruktur ließen sich nicht mehr aus dem eigenen Cashflow der Hyperscaler decken, weshalb in großem Stil Kapital als Schulden an den Finanzmärkten aufgenommen werde. Er vermutet, dass die anhaltend hohen Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen teils darauf zurückgehen, dass die KI-Ökonomie Kapital aus den Anleihemärkten zieht. Die Nachfrage sei unbelegt: Er zitiert eine Schätzung der Beratung Bain, wonach der Markt etwa sechs Billionen Dollar groß sein müsste, damit sich das derzeitige Investitionsniveau je rechnet, sowie eine Schätzung von Allianz Research, wonach rund die Hälfte der für 2026 in den USA geplanten 12 GW Rechenzentrumsleistung bereits verzögert oder möglicherweise abgesagt ist – wegen Protesten, Klagen oder Schwierigkeiten bei der Stromversorgung. Auch ein stillstehendes Rechenzentrum zahle weiter Zinsen, merkt er an.

Der schärfste Punkt betrifft den Sitz der Schulden. Wenn Unternehmen wie Oracle und Meta KI-Verpflichtungen in Zweckgesellschaften (SPVs) verlagern, so seine Argumentation, treten sie nur noch als Mieter oder Minderheitseigner auf, und die Haftung bleibt außerhalb der eigenen Bilanz. Er räumt ein, dass die Warnungen bereits ausgesprochen wurden – von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dem IWF und der EZB – und schließt, das Drehbuch für eine Fortsetzung von The Big Short sei praktisch fertig. Der Text ist Meinung, kein Bericht; die Zahlen sind den genannten Quellen zugeordnet und hier nicht unabhängig geprüft.