Der Podcast Uncanny Valley von Wired hat eine Recherche über ein Netzwerk anonymer Männer veröffentlicht, die — so die Darstellung — die Belästigung junger Frauen zu einem Mannschaftssport gemacht haben, und erzählt die Geschichte aus Sicht einer Betroffenen.

Das beschriebene Muster ist nicht der einsame Troll des frühen Internets, sondern etwas Organisiertes: Männer, die sich über Foren und Gruppenchats koordinieren, Bilder und persönliche Daten zusammentragen und die Zerstörung des Rufs und Alltagslebens einer bestimmten Frau als gemeinsames Vergnügen mit Ranglisten und Binnenstatus betreiben. Die Episode verfolgt, wie sich das von innen anfühlt — das Ausmaß, die Beharrlichkeit, der Aufwand, ein normales Leben aufrechtzuerhalten, während eine Kampagne weiterläuft.

Was die Recherche über den Einzelfall hinaus relevant macht, ist die Infrastrukturfrage. Koordinierte Missbrauchskampagnen nutzen genau die Eigenschaften, die Plattformen im großen Maßstab funktionsfähig machen: leicht erstellbare Konten, reibungsloses Weiterverbreiten, Empfehlungssysteme, die Empörung belohnen, und Moderation, die erst lange nach dem Schaden von Fall zu Fall reagiert. Sobald Material über Dutzende Seiten und Kanäle kopiert ist, wird das Löschen zu einem verlorenen Wettlauf, selbst wenn der Originalbeitrag entfernt wird.

Die Rechtslage ist ebenso uneinheitlich. Belästigungs- und Verleumdungsrecht ist meist national und langsam, das Verhalten dagegen verteilt und augenblicklich; Anonymität, Zuständigkeitslücken und die Schwierigkeit, eine koordinierte Kampagne zu beweisen, lassen die Betroffenen die Ermittlungsarbeit selbst tragen. Wireds Bericht erinnert daran, dass die technischen und rechtlichen Werkzeuge für dieses Problem noch weit hinter dem Verhalten zurückliegen, das sie adressieren sollen.