Die Mitarbeiter der Wikimedia Foundation, des gemeinnützigen Trägers von Wikipedia, haben mit überwältigender Mehrheit zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte des Unternehmens für die Gründung einer Gewerkschaft gestimmt. Der National Labor Relations Board zählte am Donnerstag die Stimmzettel und bestätigte, dass 158 Mitarbeiter für den Beitritt zur Communications Workers of America (CWA) stimmten, während nur 14 dagegen votierten.

Die Gewerkschaft wird mehr als 200 Mitarbeitern in Bereichen wie Softwareentwicklung, Finanzen und Kommunikation offenstehen. Die Wikimedia Foundation beschäftigt fast 700 Menschen in 39 Ländern, die meisten arbeiten remote.

Was die Abstimmung auslöste

Mitarbeiter sagen, dass Bedenken bezüglich Bezahlung und Sozialleistungen nicht die Hauptmotivatoren waren. Stattdessen verweisen sie auf eine Reihe von Managemententscheidungen des vergangenen Jahres, die Mitarbeiter machtlos zurückließen. Dazu gehörte die Auflösung eines Teams, das Werkzeuge für freiwillige Editoren zum Hinzufügen von Inhalten zu Wikipedia und Commons entwickelte, sowie die Streichung Frankreichs aus der Liste der genehmigten Einstellungsorte für Produkt- und Technikrollen.

"Ich möchte, dass wir laut sind und frei debattieren — von oben bis unten in der Organisation, denn so bewegen wir uns schnell, lösen Probleme und finden die besten kollektiven Lösungen", sagte Lauren de Lench, eine leitende technische Programmmanagerin, die seit 2021 bei der Foundation arbeitet.

Der Organisierungsversuch gewann an Fahrt, nachdem die Foundation während der Covid-Pandemie ihre Belegschaft um Hunderte aufgestockt hatte, was Bürokratie einführte, die einige Mitarbeiter auf der Stufe ließen. Arbeiter sagen, dass 70 Prozent der Berechtigten vor der Abstimmung Gewerkschaftskarten unterschrieben.

Die KI-Bedrohung schwebt groß

Neben internen Managementbedenken sind Wikimedia-Mitarbeiter zunehmend besorgt über die existenzielle Herausforderung durch KI-Chatbots. KI-Unternehmen scrapen Wikipedia-Inhalte zum Trainieren ihrer Modelle, was die Serverkosten in die Höhe treibt. Gleichzeitig sinkt der menschliche Traffic auf Wikipedia-Artikeln, da immer mehr Menschen Chatbots nach Informationen fragen — ein Trend, den Mitarbeiter befürchten, könnte das Interesse an Beiträgen zu Wikipedia verringern und die Inhaltsqualität beschädigen.

"Wir müssen mutig vorgehen und attraktiver als KI werden — und die Gestaltung dieser Strategie sollte nicht dem Management allein überlassen bleiben", sagte Nico Aramayo, Senior Paralegal bei der Foundation.

Die Wikimedia Foundation befindet sich in einer generell starken finanziellen Position, mit einem Jahresbudget von über 200 Millionen Dollar und einem Nettovermögen von rund 300 Millionen Dollar. Doch die doppelten Belastungen durch steigende KI-bedingte Serverkosten und sinkendes menschliches Engagement haben eine unsichere Aussicht geschaffen.

Was als Nächstes kommt

Wikimedia-CEO Bernadette Meehan, eine ehemalige US-Botschafterin in Chile, die im Januar kam, nannte die Gewerkschaftsabstimmung den Beginn eines neuen Kapitels, über das sie "optimistisch" sei. Allerdings hat die Foundation Littler Mendelson engagiert — eine prominente Kanzlei, die für die Vertretung von Arbeitgebern in Arbeitsrechtsstreitigkeiten bekannt ist — was Mitarbeiter als Signal dafür interpretieren, dass das Management bei Vertragsverhandlungen Widerstand leisten könnte.

Der nächste Schritt der Gewerkschaft wird die Verhandlung eines Tarifvertrags sein. Zu den erwarteten Kernbestimmungen gehören die Forderung nach triftigem Kündigungsgrund vor der Beendigung und möglicherweise die Einführung einer vier-Tage-Woche. Wikimedia-Mitarbeiter in Großbritannien streben ebenfalls eine Organisierung an und hoffen, mit der US-Gruppe zu koordinieren.

Als Zeichen der Solidarität organisierten einige freiwillige Wikipedia-Editoren in diesem Monat eine Kampagne zur Verbesserung von Artikeln über Gewerkschaften und verwandte Themen.