Tesla hat Powershare Home Backup auf seine beiden Volumenmodelle ausgeweitet: Bestimmte Model 3 und Model Y können nun bei einem Stromausfall das Haus versorgen. Bislang war die Funktion dem Cybertruck vorbehalten.

Die Erweiterung bringt jedoch Bedingungen mit sich. Wer sein Haus mit dem Auto am Netz halten will, braucht einen Tesla Powerwall 3 als Puffer im Haus. Unterstützung für Powerwall 2 und Powerwall Plus sei „in Kürze" geplant, teilt Tesla mit. Über die Powerwall läuft die Energie aus dem Fahrzeugakku ins Hausnetz – ein Muster, das auch andere Hersteller nutzen, weil es die teure bidirektionale Ladeelektronik im Fahrzeug und die Netzanbindung im Haus entkoppelt.

Tesla zufolge verlängern Model 3 und Model Y in den Ausführungen Premium und Performance die Notstromversorgung auf über zwei Tage. Beim Cybertruck nennt das Unternehmen mehr als drei Tage.

Nicht jedes Fahrzeug ist dabei

Wie Electrek zuerst berichtete, garantiert Tesla die Funktion nur für Model 3 und Model Y, die ab dem 1. Oktober bestellt wurden. Ältere Fahrzeuge enthalten nicht durchgängig den Wechselrichter PCS2 Lite, den das System voraussetzt. Ebenfalls eingeschränkt: Das Feature wird bislang nur für die USA und Puerto Rico genannt, nicht für Kanada – und nicht für die größeren Model S und Model X. Die Funktion Powershare Grid Support, bei der das Fahrzeug ins Netz einspeist statt nur das Haus zu stützen, bleibt dem Cybertruck vorbehalten.

Warum das wichtig ist

Tesla ist weder der erste noch der einzige Hersteller mit bidirektionalem Laden. Kia und GM bieten Vehicle-to-Home ebenfalls an, und Nissan bot mit dem Leaf bereits vor Jahren Power-to-Grid. Neu ist der Maßstab: Model 3 und Model Y sind Teslas meistverkaufte Fahrzeuge, und ein Bestand von mehreren Millionen dieser Autos ist ein deutlich größerer Heimspeicher-Pool als eine Nischen-Plattform wie der Cybertruck.

Das Argument für den Kunden ist nüchtern: Ein Hausakku mit rund 13,5 kWh kostet mehrere Tausend Dollar, während ein Model 3 oder Model Y mit 50 bis über 80 kWh nutzbarer Kapazität im Notfall ohnehin auf der Einfahrt steht. Für Tesla ist der Anreiz ein anderer: Hausnotstrom bindet Fahrzeug, Powerwall und Wall Connector zu einem Ökosystem zusammen, das sich schwerer verlassen lässt – und die Powerwall ist das Produkt, das dabei verkauft wird.

Offene Fragen

Wer ein älteres Fahrzeug fährt, bleibt vorerst außen vor. Auch die Beschränkung auf Powerwall 3 bedeutet, dass die Funktion für die große Mehrheit der Tesla-Kunden ein Upgrade voraussetzt. Nicht zuletzt entscheiden die Netzanschlussregeln jedes Landes darüber, was ein Auto einspeisen darf – weshalb die Ausweitung außerhalb Nordamerikas langsamer ausfallen dürfte als die Ankündigung nahelegt.