Eine belgische Verkehrssicherheitsgruppe wirft Teslas Full Self-Driving (FSD) vor, in Brüssel regelmäßig Tempolimits zu überschreiten und sich gegenüber Radfahrern unsicher zu verhalten. Die Ergebnisse kommen kurz vor einer möglichen EU-weiten Abstimmung über die Technologie.
Laut Reuters testete Johanna.be, eine Organisation, die sich für Fußgänger und Radfahrer einsetzt, im Juli an drei Tagen ein FSD-fähiges Fahrzeug und legte dabei rund 400 km zurück. Die Gruppe stellte fest, dass das System in 20-km/h- und 30-km/h-Zonen häufig zu schnell fuhr. In der Mehrheit der untersuchten 30-km/h-Abschnitte rund um die Hauptstadt überschritt FSD das Limit und fuhr im Schnitt 44 km/h.
Vielleicht der auffälligste Befund betrifft den Bildschirm. Selbst wenn das Auto die 30er-Schilder am Straßenrand offenbar erkannte, zeigte es dem Fahrer oft ein Limit von 50 km/h an. "Es ist, als würde ein Beifahrer den Fahrer ständig davon überzeugen, dass fast in jeder 30er-Zone 50 km/h erlaubt sind", heißt es in dem Bericht. Von der Gruppe gesammelte Videos zeigen zudem, wie das Fahrzeug auf Straßen, auf denen das Überholen verboten ist, Radfahrer überholen will.
Der Bericht ist nicht durchweg negativ. Johanna.be schreibt, das System habe sich "gegenüber Fußgängern und Radfahrern vorsichtig und höflich verhalten und oft proaktiv Vorfahrt gewährt" – argumentiert aber, diese Stärken "wiegen die dokumentierten Verstöße gegen Tempolimits und Radstraßen-Regeln nicht auf". Die Gruppe hat den Bericht dem flämischen Verkehrsministerium und der niederländischen Behörde RDW geschickt und beide aufgefordert, ihre Genehmigungen zu überprüfen.
FSD, das die meisten Fahraufgaben übernimmt, aber einen voll aufmerksamen Fahrer verlangt, wurde im April von der niederländischen Behörde RDW zugelassen; Belgien und einige weitere Länder folgten. Eine EU-weite Abstimmung könnte am 6. Oktober stattfinden. Schweden und andere Länder haben bereits Bedenken wegen des Umgangs mit Tempolimits geäußert, während die zustimmenden Länder darauf verweisen, dass der Fahrer für die Einhaltung der Verkehrsregeln verantwortlich bleibt.
Tesla sieht das Gegenteil der belgischen Befunde: Eine Anfang des Monats veröffentlichte eigene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass FSD-Fahrzeuge nicht übermäßig schnell fahren und sich dem umgebenden Verkehr anpassen. Tesla und die RDW antworteten nicht auf Anfragen von Reuters. Xavier Lesenne vom flämischen Verkehrsministerium nannte FSD ein "lernendes System, das kontinuierlich neue und zusätzliche Informationen verarbeitet", und betonte, der Fahrer bleibe "zu 100 Prozent verantwortlich" und müsse eingreifen, wenn das System Fehler mache oder eine Verkehrsregel nicht korrekt anwende.
Der Streit beschränkt sich nicht auf Europa – auch US-Regulierer prüfen den Umgang von FSD mit Tempolimits und Ampeln –, doch die Entscheidung der EU in den kommenden Wochen bestimmt, ob das System im großen Stil im Binnenmarkt eingesetzt werden darf.
Quellen
- investing.comReuters (via Investing.com): Tesla's supervised self-driving system often misreads speed limits, Belgian safety group finds
- nst.com.myNew Straits Times: Tesla's supervised self-driving system often misreads speed limits, Belgian safety group finds
- golem.deGolem.de: Tesla: FSD fährt in Brüsseler 30er-Zonen zu schnell
- m.economictimes.comThe Economic Times: Tesla's supervised self-driving system often misreads speed limits, Belgian safety group finds




