Sony holt einen seiner erfolgreichsten Kopfhörer aller Zeiten zurück – und die Version von 2026 beantwortet eine Frage, der die Branche bislang ausgewichen ist: Was passiert, wenn die EU Akkus aus den Geräten herausverlangt?
Auf der IFA in Berlin zeigt Sony den WH-1000XM4C, die Neuauflage des WH-1000XM4 – jenes 2020er-Modells, das die aktive Geräuschunterdrückung in der Premiumklasse über Jahre definierte. Die Neuauflage kostet 250 Euro, rund 130 Euro weniger als der Einführungspreis des Originals vor sechs Jahren, und ist technisch fast unverändert. Fast: Diesmal lässt sich der Akku tauschen. Ersatzteile liefert Sony direkt an Endkunden.
Der Grund ist Regulierung, nicht Nostalgie. Die EU-Batterieverordnung schreibt ab Februar 2027 vor, dass Akkus in vielen Elektronikprodukten – ausdrücklich auch in Over-Ear-Kopfhörern – herausnehmbar und austauschbar sein müssen. Mit dem XM4C kommt Sony dem Stichtag offenbar zuvor und macht aus einem alternden Flaggschiff zugleich ein Angebot in der Mittelklasse.
Was bleibt: Die einstige ANC-Referenz geht auch nach heutigen Maßstäben effektiv gegen Motor- und Flugzeuglärm vor. Der Klang ist druckvoll und warm abgestimmt. Bluetooth 5.0 mit LDAC, Multipoint, rund 30 Stunden Akkulaufzeit und die faltbare Bauweise sind weiterhin solide, per App steht ein Zehnband-Equalizer bereit.
Was das Alter verrät: Stimmen überträgt der XM4C dünner und störanfälliger als aktuelle Rivalen – für Telefonate war der XM4 schon immer nur bedingt geeignet –, und moderne Funkstandards wie LE Audio, LC3 und Auracast fehlen. Auch gegen menschliche Stimmen arbeitet die Geräuschunterdrückung schwächer als die heutigen Klassenbesten. Ob die Neuauflage zum Preistipp wird, hängt also von den eigenen Vorlieben ab.
Unterhalb des XM4C rundet Sony das Sortiment auf der Messe nach unten ab. Der WH-CH730N bietet ANC, bis zu 50 Stunden Laufzeit, Multipoint und LE Audio für 120 Euro. Der WH-CH530 kommt ohne ANC auf bis zu 55 Stunden und ist in sechs Farben für 60 Euro erhältlich. Beide Modelle zeigen, wohin die Reise geht: Die EU-Vorgaben verändern, wie selbst Premium-Audio konstruiert wird – „Akku wechselbar“ dürfte vor 2027 zum Pflichtkriterium der gesamten Branche werden.




