Renault hat den E-Space vorgestellt, einen neuen elektrischen Van – und die Schlagzeile von heise online bringt das Paradox hübsch auf den Punkt: Der Van ist tot, es lebe der Van. Die Karosserieform, die europäische Familien über zwei Jahrzehnte hinweg massenhaft verlassen haben – der hohe, kantige Großraumwagen mit Schiebetüren –, erlebt auf einer Elektroplattform eine Wiederauferstehung, und zwar bei einer Marke, die ihr Modellprogramm zuletzt um den Batterieantrieb herum neu aufgebaut hat.

Das Argument für die Rückkehr ist eher technisch als nostalgisch. Ein Skateboard-Fahrgestell mit flachem Akkupack unter dem Boden beseitigt die mechanischen Kompromisse, die große Vans ineffizient machten: keine Kardanwelle, kein klobiger Motor vorn, und die Kabine lässt sich bis in die Ecken ziehen. Eine hohe, quadratische Karosserie ist aerodynamisch schlechter als eine flache – das ist der eine Nachteil, den die Reichweitenwerte schlucken müssen –, dafür liefert sie Innenraum und einen bequemen Einstieg, an die kein Crossover heranreicht. Renault, das einen Großteil seiner Palette auf die elektrischen Modelle 5, 4, Scenic und Twingo umgestellt hat, wettet darauf, dass Familien, die wegen des Raums zum SUV griffen, zu einer Form zurückkehren, die ihn ehrlicher liefert.

Die strategische Frage ist, ob europäische Käufer Vans noch für unmodisch halten. Das Segment wurde weniger von der Technik getötet als vom Geschmack: Hersteller schoben Crossovers nach vorn, weil sie höhere Margen trugen und auf dem Hof begehrenswerter wirkten. Wenn Renault Raum, Schiebetüren und niedrige Betriebskosten als eigenständiges Angebot verkaufen kann, wird der E-Space zum Test dafür, ob der Griff des SUV auf europäische Garagen endlich nachlässt.