Konsolenstarts sind normalerweise Geschichten über Chips. Dieser könnte eine Geschichte über Speicher als Rohstoff werden.

Ein von Golem berichtetes Leak beziffert RAM und SSD der PlayStation 6 zusammen auf mehr als 680 US-Dollar. Die Zahl muss man sorgfältig lesen, weil man sie leicht falsch liest: Es ist eine Bauteilangabe für zwei Posten, keine Stückliste und erst recht kein Endpreis. Die Konsole braucht weiterhin eine APU, eine Kühlung, ein Gehäuse, ein Netzteil, einen Controller, Montage, Transport und eine Handelsspanne. Eine Summe dieser Größenordnung allein für Speicher impliziert ein Gerät, das deutlich teurer wäre als jede PlayStation zum Start.

Der Kontext macht die Zahl plausibel statt exotisch. Speicher war die stille Krise von 2025 und 2026. Der Rechenzentrumsausbau hinter KI-Training und -Inferenz hat DRAM- und NAND-Kapazität in einem Tempo aufgesogen, mit dem die Unterhaltungselektronik nicht geplant hat, und die Vertragspreise sind entsprechend gestiegen. Hyperscaler kaufen Speicher lagerhallenweise und kaufen zuerst; Gerätehersteller bekommen den Rest – zu einem Preis, den die Nachfragekurve anderer setzt. Sowohl Sony als auch Microsoft haben die Preise ihrer aktuellen Konsolen in mehreren Märkten erhöht, teils mehrfach. In früheren Generationen fielen die Preise über die Lebenszeit einer Konsole; das Gegenteil war nahezu unbekannt.

Für eine Konsole ist das aus einem strukturellen Grund schlimmer, als es aussieht. Konsolen sind die letzte Massenhardware, die nach dem Rasierklingen-Modell verkauft wird: Die Box wird nahe oder unter Gestehungskosten bepreist, verdient wird an Software, Abonnements und Store-Provisionen. Dieses Modell kann eine Chip-Kostenüberschreitung verdauen, weil Chipkosten mit Prozessreife und Stückzahl sinken. Einen Speicherschock verdaut es deutlich schlechter, weil DRAM und NAND Rohstoffe sind, deren Preis ein Markt setzt, an dem der Konsolenhersteller nicht teilnimmt – und dessen marginaler Käufer inzwischen ein Unternehmen ist, das Rechenzentren baut.

Die strategische Folge unterscheidet sich von einer Verschiebung. Eine Verschiebung ist aufholbar. Ein Preis-Reset ist es nicht: Startet eine Generation bei 700 Dollar oder darüber, gilt die Gleichung, dass eine Konsole die billige Art zu spielen ist, nicht mehr automatisch, und die Vergleichsgruppe verschiebt sich zu Gaming-PCs, Handhelds und Streaming. Dieses Argument ist mit einem Geschäftsmodell, das sich seit zwanzig Jahren nicht verändert hat, sehr viel schwerer zu gewinnen.

Zwei Einschränkungen gehören ausdrücklich dazu. Das ist ein einzelnes, unbestätigtes Leak, und Leaks über nicht angekündigte Hardware sollten als Richtungsanzeige gelten, nicht als Messwert. Sony hat bestätigt, dass an einer Next-Gen-Konsole gearbeitet wird, aber weder Termin noch Preis genannt – jede Zahl zur PS6 ist derzeit Spekulation mit Dezimalstelle.

Keine Spekulation ist die Richtung der Speicherpreise, und das ist der Punkt, der Konsolenkäufer interessieren sollte. Selbst wenn diese konkrete Zahl um ein Drittel danebenliegt, bleibt die Form des Problems: Die Kosten der langweiligen Teile einer Konsole – RAM, Flash-Speicher – sind heute ein größeres Planungsrisiko als die Kosten des interessanten.