2016 entdeckten Archäologen in der Nekropole von Phaleron nahe Athen ein Massengrab mit 79 erwachsenen Männern, die in drei Reihen bestattet waren — viele trugen noch eiserne Fesseln an den Handgelenken. Ein Jahrzehnt lang stritten Forscher darüber, wer sie waren: ausländische Invasoren, nach einer Schlacht hingerichtet, oder Opfer innerer politischer Gewalt während der Geburtsstunde der athenischen Demokratie?

Neue Forschung spricht stark für die zweite Erklärung. Ein Team unter Leitung von Julianne R. Stamer von der Arizona State University analysierte Strontium-Isotope im Zahnschmelz von 66 der gefesselten Männer. Da sich der Schmelz in der Kindheit bildet und die chemische Signatur lokaler Nahrung und Wasser speichert, verrät er, wo ein Mensch aufgewachsen ist.

Rund 97 Prozent der getesteten Männer zeigten Strontiumwerte, die mit einer lokalen Herkunft in Attika, der Region um Athen, übereinstimmen. Nur zwei der 66 schienen ihre Kindheit anderswo verbracht zu haben. Eine größere Stichprobe von 97 anderen in Phaleron bestatteten Erwachsenen zeigte ein nahezu identisches Muster: rund 96 Prozent waren lokal aufgewachsen.

'Wären die gefesselten Männer ausländische Kämpfer gewesen, hätte man vielfältigere Herkunftsorte erwartet', merkte das Team an. Stattdessen ordnen ihre chemischen Aufzeichnungen sie derselben lokalen Bevölkerung zu wie ihre Nachbarn im Gräberfeld.

Die im Journal of Archaeological Science: Reports veröffentlichten Ergebnisse schließen eine Haupterklärung für das Grab aus: Die Männer waren keine Fremden, die für einen politischen Kampf nach Attika gebracht wurden. Ihr Schicksal scheint mit einem Konflikt innerhalb der Gemeinschaft selbst verbunden — in einer Zeit, in der Athen Macht und Strafe neu ordnete: ein gewaltsames Kapitel in der Frühgeschichte der Stadt.