OpenAI hat Investorinnen und Investoren mitgeteilt, dass sein annualisiertes Umsatzvolumen Ende September bei knapp 50 Milliarden Dollar lag – rund 20 Milliarden Dollar unter jener Zahl, die zuvor aus Investorenunterlagen durch Medien kursierte. Das berichtet die Financial Times. Die Aktienmärkte reagierten sofort.
Der Abstand ist erheblich. In den vergangenen Monaten war von einer annualisierten Umsatzrate um die 70 Milliarden Dollar die Rede gewesen, gestützt auf Unterlagen, die im Rahmen von Finanzierungsgesprächen zirkulierten. Die nun genannte Zahl von etwa 50 Milliarden Dollar entspricht laut FT einer aktualisierten Angabe direkt an die Investoren.
Am selben Nachmittag fielen die Kurse von Unternehmen, die als Wetten auf die KI-Nachfrage gelten: Oracle verlor rund 5 Prozent, AMD etwa 4,6 Prozent, Nvidia knapp 3 Prozent; die Nasdaq verbuchte ihren schwächsten Tag seit Juli. Ein einzelner, von der FT berichteter Umsatzwert genügte, um Zweifel an den Erträgen der gesamten KI-Investitionswelle neu zu entfachen – ein Hinweis darauf, wie dünn die Datenbasis ist, auf der diese Bewertungen ruhen.
Warum die Lücke entstand, ist nicht abschließend geklärt, und genau hier ist Vorsicht angebracht: Einige Berichte deuten darauf hin, dass die niedrigere Zahl auf einer engeren Umsatzdefinition beruhen könnte, die bestimmte, über Cloud-Partner gebuchte Erlöse ausschließt – andere lesen sie schlicht als schwächere Entwicklung. OpenAI veröffentlicht keine testierten Quartalszahlen, und das Unternehmen hat die FT-Angaben nicht öffentlich bestätigt. Die Differenz zwischen 50 und 70 Milliarden kann also teilweise ein Rechnungslegungs- und kein Nachfrageproblem sein. Beides ist für die Bewertung relevant – aber es sind unterschiedliche Probleme.
Zugleich berichten mehrere Medien, das Unternehmen verschiebe seine Börsenpläne. Auch hier gilt: Es gibt bislang keine offizielle Bestätigung.
Warum das wichtig ist: Die gesamte Rechenzentrums- und Chipbranche hat ihre Investitionen auf die Annahme steigender KI-Erlöse gestützt. Wenn die Referenzzahl des wichtigsten Anbieters um ein Drittel nach unten korrigiert wird, verändert das die Rechengrundlage für Abschreibungen, Mietverträge und Kreditlinien – nicht nur die Stimmung an einem Handelstag.
Zu beobachten: ob OpenAI testierte Zahlen oder eine klare Definition seiner Umsatzrate liefert; wie die nächste Finanzierungsrunde bewertet wird; und ob weitere KI-Infrastrukturwerte nachziehen.
Quellen
- ft.comOpenAI's September annualized revenue nears $50 billion — Financial Times (via secondary reporting)
- morningstar.comAI Revenue Questions Pull Semiconductor Stocks Off October Highs — Morningstar
- morningtick.comOpenAI's Revenue Nears $50B After A $70B Miscount — Morningtick
- coinpaper.comNvidia and AMD Stocks Fall Over OpenAI's $20B Revenue Gap — Coinpaper




