Odoo hat seine jährliche Kundenkonferenz in Brüssel genutzt, um eine Zahl für das zu nennen, was das Unternehmen nach eigener Einschätzung wert ist: 10 Milliarden Euro. Das ist rund das Doppelte der 5 Milliarden Euro, die nach einer 500-Millionen-Euro-Sekundärtransaktion 2024 galten, und deutlich mehr als die 7 Milliarden Euro, die Anfang des Jahres genannt wurden.

Gründer und CEO Fabien Pinckaers verkündete die Zahl auf der Odoo Experience, die vom 24. bis 26. September in der Brussels Expo läuft und laut Erwartung rund 45.000 Besucher – 80 Prozent aus dem Ausland –, 450 Vorträge und 500 Aussteller in fünf Hallen zusammenbringt. Er nannte 2026 ein starkes Jahr und sagte, der Umsatz liege 48 Prozent über dem Vorjahreszeitraum; die Abrechnungen sollen 900 Millionen Euro übersteigen und im Geschäftsjahr 2027 die Marke von 1 Milliarde Euro überschreiten. 2025 lag der Umsatz bei 620 Millionen Euro.

Derselbe Auftritt brachte für Kunden weniger erfreuliche Nachrichten. Odoo führt eine partielle Preiserhöhung von rund 20 Prozent ein – die erste seit vier Jahren –, um höhere Personal- und Hostingkosten auszugleichen; das Unternehmen verweist auf eine kumulierte Inflation von 26 Prozent. Die Nutzung einer einzelnen Anwendung bleibt kostenlos, der Basisplan bleibt bei 19,90 Euro pro Nutzer und Monat. Der Enterprise-Plan steigt von 29 auf 35 Euro pro Nutzer und Monat, und eine neue Kategorie "Light User" kostet 7,90 Euro monatlich, verfügbar, sobald mindestens ein Vollnutzer vorhanden ist. Pinckaers sagte, Kunden würden wohl auch bei doppelten oder dreifachen Preisen bleiben, doch das werde er nicht tun, weil es um Zugänglichkeit und Fairness gehe, nicht nur um Kosten.

Odoo meldet 28 Millionen Nutzer weltweit, etwa 80 Prozent in kostenlosen Plänen und 20 Prozent zahlend. Version 20 der Management-Software steht kurz bevor und setzt stark auf integrierte KI, die Unternehmern zeitaufwendige Aufgaben abnehmen soll.

Das Finanzbild hinter der Preispolitik ist bewusst gemischt. Im Geschäftsjahr 2025 wies Odoo einen buchhalterischen Verlust von 36 Millionen Euro aus; nach eigenen Angaben ist dieses Loch in diesem Jahr bereits geschlossen, mit einem operativen Ergebnis von über 50 Millionen Euro in den ersten acht Monaten. Das Unternehmen priorisiert finanzielle Balance statt hoher Margen und argumentiert, übermäßiger Gewinn würde auf zu wenig Investition ins Produkt hindeuten.

Odoo konkurriert direkt mit SAP, Oracle und Microsoft, und die Erlöse sind breit gestreut: 12 Prozent aus den USA, 9 Prozent aus Belgien, 9 Prozent aus Frankreich, der Rest aus mehr als 180 Ländern über rund 20 Tochtergesellschaften und Partnernetze. Das Unternehmen beschäftigt rund 7.500 Menschen, mehr als 1.700 davon in Belgien, und will bis 2027 auf 10.000 kommen – mit rund 3.500 Neueinstellungen in den nächsten zwölf Monaten, darunter 300 bis 400 Entwickler in Belgien. Fast die Hälfte der Entwickler-Einstellungen seien internationale Kräfte, die mit Arbeitserlaubnis nach Belgien kommen, weil der heimische Markt nicht genug passende Profile liefere. Auf die Frage nach der Bewertung wiederholte Pinckaers, sie spiegle wider, was ein Käufer zahlen würde – und dass er kein Verkäufer sei.