Die Ozeane der Welt stehen unmittelbar vor ihrem heißesten je gemessenen Moment. Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur außerhalb von Arktis und Antarktis erreichte im Juli 2026 laut dem Copernicus-Klimawandeldienst der Europäischen Kommission 20,96 °C – 0,07 °C über dem bisherigen Juli-Rekord von 2023 und nach einem bereits rekordheißen Juni. Da die aktuellen Werte nur wenige Hundertstel Grad unter dem Allzeithoch vom März 2024 liegen, sagen Wissenschaftler: Die Frage ist nicht, ob dieser Rekord fällt, sondern wann.
„Es ist nur eine Frage des Wann“, sagte Samantha Burgess, stellvertretende Direktorin von Copernicus im britischen Reading. „Das bedeutet Ärger für den Planeten“, ergänzte Kristina Dahl, Klimawissenschaftlerin bei Climate Central. Ein warmes Wasserband quer über den tropischen Pazifik markiert einen El Niño, der Prognosen zufolge der stärkste je gemessene werden könnte – doch die Hitze beschränkt sich keineswegs auf die Tropen: Große Teile des nördlichen Pazifiks und Atlantiks sowie weite Bereiche des Mittelmeers liegen deutlich über dem Durchschnitt der Zeit vor 2020. Das Attributionswerkzeug von Climate Central zeigt, dass die menschengemachte Klimakrise diese Ozeantemperaturen um ein Vielfaches wahrscheinlicher gemacht hat.
Die Folgen reichen tief ins Meeresleben und in die Wirtschaft. Warme Ozeane nehmen weniger Kohlendioxid auf und schwächen damit eine kritische Bremse der Erderwärmung. Korallenriffe, die bereits unter aufeinanderfolgenden Bleichereignissen leiden, stehen vor dem, was die Geochemikerin Amy Apprill von der Woods Hole Oceanographic Institution eine „erschreckende Zeit“ nennt. El-Niño-Bedingungen werden zudem mit starken Einbrüchen der Sardellenbestände vor der Pazifikküste Südamerikas in Verbindung gebracht, und marine Hitzewellen treiben Temperaturen und Luftfeuchtigkeit an besiedelten Küsten in die Höhe – oft nachts.
Was Forschende am meisten beunruhigt, ist, dass sich der Ozean anders verhält, als Modelle vorhersagten. „Wir wissen nicht, warum sich der Ozean in den letzten vier Jahren anders verhalten hat“, räumte Burgess ein, nachdem die überraschenden Spitzen von 2023 und 2024 die Debatte darüber neu entfacht hatten, ob die Klimasensitivität des Planeten – wie stark er auf Emissionen reagiert – höher ist als bisher angenommen. „Das sollte definitiv Alarmglocken läuten lassen“, sagte Jens Terhaar, Ozeanmodellierer an der Universität Bern. Die kommenden Monate, in denen El Niño seinen Höhepunkt erreicht, werden zeigen, wie viel weiter die Rekorde noch reichen können.
Quellen
- nature.comOcean temperatures set to break all-time record: what's next? — Nature
- climate.copernicus.euCopernicus: Highest July global ocean surface temperatures on record
- theguardian.comWorld's seas have hit hottest temperature on record for July — The Guardian
- bbc.comWorld's oceans hit record-high July temperatures — BBC




