Eine Genvariante, die der moderne Mensch vor rund 47.000 Jahren von Neandertalern geerbt hat, prägt noch heute die Körperzusammensetzung, berichten Forschende des Karolinska-Instituts in Current Biology. Die Variante des Wachstumshormon-Rezeptors kommt vor allem in Süd- und Ostasien vor; in manchen Populationen tragen bis zu 24 % der Menschen sie.
In Laborexperimenten wuchsen Zellen mit der Neandertaler-Version des Rezeptors nach Stimulation mit Wachstumshormon um 40 % stärker als Zellen mit der häufigsten modernen Variante. In einer Analyse von Daten von gut 1,1 Millionen Erwachsenen war die Variante mit durchschnittlich 285 Gramm mehr Körpergewicht verbunden — fast ausschließlich Muskelmasse.
Bei mehr als 6.000 Kindern im Alter von 11 Jahren oder jünger zeigte sich kein Effekt — der Unterschied entsteht also später, vermutlich in der Pubertät. Träger hatten zudem leicht kürzere Zahnwurzeln und subtile Unterschiede in der Kieferform, die an Neandertaler-Merkmale erinnern.
"Es ist faszinierend, dass eine von Neandertalern geerbte Genvariante Menschen noch heute beeinflusst", sagt Studienleiter Hugo Zeberg. Koautorin Miriam Berreiter ergänzt: "Aber nicht einmal ein Neandertaler-Wachstumshormon-Rezeptor ersetzt das Training." Die am 5. August veröffentlichte Studie umfasst ein internationales Team, darunter die Gruppe von Svante Pääbo.




