Die NASA will herausfinden, ob ein Loch auf dem Mond in eine Höhle führt — und ob diese Höhle Astronauten als fertiger Schutzraum dienen könnte. Das Projekt GIMLI (Geophysical Instruments for Marius Lunar pit Investigation) wurde am 30. September im Rahmen des PRISM-Programms ausgewählt, mit dem die NASA Forschungsinstrumente auf die Mondoberfläche bringt. Geleitet wird es vom Planetary Science Institute (PSI); einen Starttermin gibt es noch nicht.
Ziel ist die Marius-Hills-Grube, ein senkrechtes Loch in einer Region mit bewegter Vulkanvergangenheit, das die japanische Sonde Kaguya entdeckte. Wie andere Mondgruben könnte sie den Zugang zu einer Lavaröhre bilden — einem langen Hohlraum, der entsteht, wenn Lava unter einer bereits erstarrten Kruste abfließt. Radardaten von Kaguya lieferten 2017 Hinweise: Nahe der Grube zeigte sich ein Echomuster, das die Autoren einer Studie in Geophysical Research Letters als mögliche Lavaröhre deuteten.
Nachweisen wollen die Forscher einen Hohlraum von der Oberfläche aus mit drei Verfahren. Ein Bodenradar, das die norwegische Raumfahrtbehörde beisteuert, schickt Radiowellen in den Untergrund und leitet aus den Reflexionen den Aufbau ab. Zusätzlich sollen gezielt Erschütterungen erzeugt und ihre Ausbreitung im Gestein gemessen werden — Hohlräume verändern das Signal. Projektleiter Nathaniel Putzig zufolge wurde aktive Seismik seit den Apollo-Landungen kaum noch eingesetzt. Ein Gravimeter soll schließlich winzige Schwerkraftunterschiede erfassen, die auf einen Hohlraum hindeuten; Kameras kommen hinzu. Honeybee Robotics, laut PSI ein Unternehmen von Blue Origin, baut Seismiksystem, Gravimeter und Kameras und betreibt sie auf dem Mond mit. Transportiert werden soll die Nutzlast mit Lander und Rover eines kommerziellen Anbieters im CLPS-Programm.
Sollte die Grube tatsächlich in einen Tunnel führen, wäre das ein strategischer Fund: Eine Lavaröhre würde Menschen und Ausrüstung vor Strahlung, Mikrometeoriten und extremen Temperaturschwankungen abschirmen, ohne dass man einen Bunker bauen müsste. Unabhängig davon versprechen sich Forscher Erkenntnisse über die Mondgeschichte, denn die Wände der Grube legen Gesteinsschichten frei, die sonst verborgen bleiben — daraus lässt sich ableiten, wie die Lava einst floss und wie oft es Ausbrüche gab.
Eine Einschränkung nennt die NASA selbst: Die Marius-Hills-Grube liegt auf der erdzugewandten Seite nahe dem Äquator, die geplante Mondbasis dagegen in der Südpolregion. Als Standort der ersten Siedlung taugt die Grube also nicht — als Testfall für bewohnbare Hohlräume auf dem Mond schon eher. Zusammen mit LEMS-SP, einer Messstation am Südpol, und DISCO, das Eis in dauerhaft beschatteten Senken direkt messen soll, gehört GIMLI zu den drei PRISM-Projekten, die das Überleben von Astronauten auf dem Mond vorbereiten sollen.
Quellen
- heise.deNASA-Projekt untersucht mögliche Höhle unter Mondoberfläche (heise online)
- eurekalert.orgPSI-led team selected for NASA PRISM program (EurekAlert!)
- universetoday.comNASA Selects GIMLI to Search the Marius Lunar Pit for a Potential Lunar Base Site (Universe Today)
- space.comNASA's hunting for a secret underground cave on the moon (Space.com)
- sciencedaily.comThis mysterious hole on the Moon may open into a giant cave (ScienceDaily)




