Microsoft hat am Mittwoch die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt – und dabei nicht nur die Bilanz, sondern auch die Art der Berichterstattung umgebaut. Der Umsatz lag bei 92,3 Milliarden Dollar, 19 % mehr als im Vorjahr, der Nettogewinn bei 33,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 32 %.
Auffälliger als die Zahlen ist ihre neue Ordnung. Die bisherigen Segmente – Productivity and Business Processes, Intelligent Cloud und More Personal Computing – sind verschwunden. Microsoft berichtet nun über zwei Blöcke: „Agents and Infra“ und „Devices and Consumer“. Agents and Infra, zu dem Azure, Microsoft 365 (kommerziell und privat) sowie Serverprodukte zählen, steht für 76,8 Milliarden Dollar oder 83 % des Umsatzes und wuchs um 25 %. Devices and Consumer mit Windows, Xbox, Surface sowie Suche und Werbung kommt auf 15,5 Milliarden Dollar und schrumpfte um 3 %.
Das ist keine Kosmetik. Wer seine Segmente nach Agenten und Infrastruktur schneidet, sagt damit, was er als Kerngeschäft betrachtet – und was als Anhängsel. Zugleich erlaubt die neue Struktur eine Offenlegung, die Microsoft lange vermieden hat: Azure wird ab sofort vierteljährlich einzeln ausgewiesen. Der Wert für dieses Quartal: 33,17 Milliarden Dollar, ein Plus von 48 % gegenüber dem Vorjahr. Bislang musste man diese Zahl aus Wachstumsraten und vagen Angaben ableiten; künftig steht sie in jeder Quartalsmitteilung und wird damit zum Maßstab, an dem Anleger jede KI-Investition messen.
Die Cloud trug erneut fast alles. Der Umsatz von Microsoft Cloud erreichte 63,9 Milliarden Dollar, rund 70 % des Gesamtumsatzes, und wuchs um 30 %. Microsoft 365 Commercial Cloud legte um 18 % zu, getrieben von höheren Erlösen pro Nutzer und dem Verkauf der Premiumstufen Copilot, E5 und E7 – also genau jener Upselling-Strategie, mit der Microsoft die Copilot-Investitionen refinanzieren will. Die Consumer-Cloud-Variante wuchs um 17 %, bei 7 % mehr Abonnenten.
Die Geräteseite erzählt die Gegengeschichte. Umsätze mit Windows-OEM-Lizenzen und Geräten fielen um 22 %. Microsoft nennt drei Gründe: den Sondereffekt des Supports für Windows 10 im Vorjahr, den Abbau von OEM-Beständen und einen schwächeren PC-Markt. Der ist laut Unternehmen im vergangenen Quartal um 20 % eingebrochen – eine Folge der Speicherknappheit, die in der Branche inzwischen „RAMageddon“ heißt und die Surface-Preise auf Rekordhöhen getrieben hat.
Bei Xbox setzt sich der Rückgang fort: Hardware minus 14 %, Inhalte und Dienste minus 2 %. Zahlen zu Game-Pass-Abonnenten nennt Microsoft weiterhin nicht; der letzte gemeldete Stand von 34 Millionen ist mehr als zwei Jahre alt. Das Quartal war von einem „Reset“ geprägt – Tausenden Entlassungen und abgespaltenen Studios. Xbox-Chefin Asha Sharma hatte in einem Memo angekündigt, das Geschäft bis Ende des Geschäftsjahres 2027 wieder auf Spieler- und Umsatzwachstum zu bringen; Gerüchte über weitere Stellenstreichungen im November und Januar halten sich.
Für den Konzern insgesamt ist die Rechnung dennoch einfach. Solange Azure um 48 % wächst und die kommerzielle Cloud 70 % des Umsatzes liefert, kann ein schrumpfendes Gerätegeschäft das Ergebnis nicht gefährden – es verschwindet relativ gesehen von selbst. Der Preis dafür ist eine wachsende Abhängigkeit von einer einzigen Kennzahl: Azure. Genau deshalb ist die Entscheidung, sie künftig quartalsweise zu zeigen, ein Risiko wie eine Offenheit. Wer 48 % Wachstum vorlegt, muss es jedes Quartal wieder tun.
Hinzu kommt der Personalumbau. Erst am Dienstag hatte Microsoft angeboten, einem Viertel der Belegschaft einen freiwilligen Austritt zu finanzieren – ein Schritt, der die neue Segmentlogik ergänzt: weniger Menschen in reifen Geschäften, mehr Kapitel in Rechenzentren. Die Earnings-Call am Mittwochnachmittag US-Zeit dürfte vor allem zwei Fragen beantworten müssen: wie viel von Azures Wachstum aus eigenen KI-Diensten stammt und wie stark die Speicherknappheit die Margen im kommenden Jahr drückt.




