Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in den USA, Großbritannien, Kanada und Indien freiwillige Abfindungen an – nach Angaben des Unternehmens die erste Offerte dieser Größenordnung. Sie baut auf einem Angebot auf, das zuvor auf rund 9.000 Mitarbeiter begrenzt war, und ist Teil des Versuchs, die Betriebskosten zu senken, ohne die Investitionen in KI-Infrastruktur zu kürzen.

Der Zeitpunkt ist aufschlussreich. Die Offerte kommt nur wenige Monate nach dem Abbau von 4.800 Stellen, der vor allem Xbox und den kommerziellen Vertrieb traf. Die Mitarbeiterzahl von Microsoft ist damit erstmals seit einem Jahrzehnt gegenüber dem Vorjahr gesunken, und intern wird mit weiteren Kürzungsrunden im November und Januar gerechnet.

Satya Nadella hat die Rechnung hinter dieser Entwicklung schon vor fast zwei Jahren offen formuliert. Auf die Frage nach den Folgen von KI für die Belegschaft sagte der CEO, die gesamten Personalkosten würden sinken, die Kosten pro Kopf dagegen steigen – und die Zahl der GPUs pro Forscher ebenfalls. Weniger Menschen, höhere Gehälter für die Verbliebenen, mehr Rechenleistung pro Kopf: Das ist keine Sparrunde, sondern ein Umbau der Bilanz.

Diese Logik gilt inzwischen für die gesamte Branche. Microsoft meldete zuletzt Rekordumsätze, getrieben vor allem von der Cloud, und gibt zugleich Rekordsummen für Rechenzentren aus. Die Abfindungen sind die Kostenseite desselben Kontos, auf dem die KI-Investitionen stehen. Wer die Ausgaben für Beschleuniger nicht senken will, muss an anderer Stelle sparen, und die Personalkosten sind der größte bewegliche Posten.

Warum es zählt: Microsoft verkauft die Werkzeuge, mit denen andere Unternehmen KI einsetzen – und zeigt nun am eigenen Beispiel, was deren Einführung mit einer Belegschaft macht. Auffällig ist die Methode: Freiwillige Abfindungen sind das sanfteste Instrument im Werkzeugkasten, gedacht für Unternehmen, die ohne öffentlichen Aufschrei verkleinern wollen. Bleibt die Annahmequote niedrig, folgen die härteren. Für Anleger sieht das nach Kostendisziplin aus; für die Beschäftigten nach einem Verfahren, das inzwischen mehrmals im Jahr läuft.