Grand Theft Auto VI erscheint im November, und sein Schauplatz – das neongetränkte, von Kriminalität durchzogene „Vice City“ – ist ein kaum verhülltes Miami. Nun hat der Spielehersteller Rockstar Games nach eigenen Angaben das echte Miami-Dade County angesprochen – mit einer Marketingidee, die diese Grenze verwischen würde: Teile des Bezirks sollen offiziell als „Vice City“ vermarktet werden. Der Vorschlag spaltet die Bezirksregierung.
Carlos Suarez, Kommunikationsdirektor von Bezirksbürgermeisterin Daniella Levine Cava, bestätigte die Gespräche. „Wir hatten einige Gespräche mit Rockstar Games über mögliche Chancen rund um den Start von GTA VI“, sagte er. „Nichts ist formell vereinbart oder genehmigt. Angesichts des deutlichen Einflusses von Miami-Dade auf das Spiel glauben wir, dass es eine einzigartige Gelegenheit geben könnte, Einnahmen für den Bezirk zu erzielen und Miami-Dade einem riesigen Publikum zu präsentieren.“
Zu den von der Bezirksverwaltung diskutierten Ideen gehörte demnach, „Vice City“-Aufschriften auf öffentlicher Infrastruktur anzubringen – an Bushaltestellen, auf Kanaldeckeln und auf Schildern am internationalen Flughafen von Miami. Doch der Plan stößt innerhalb der Bezirksregierung auf erbitterten Widerstand. Der Kommissar für Distrikt 12, JC Bermudez, lehnt die Partnerschaft entschieden ab und argumentiert, der Inhalt des Spiels widerspreche den Werten der Gemeinschaft. „Ich bin kein Spielgegner“, sagte Bermudez, „aber die Sache ist: Es verherrlicht nicht nur Verletzungen unserer Einsatzkräfte, insbesondere unserer Polizei, was ich abscheulich finde, sondern es verherrlicht auch das Überfahren eines Fußgängers.“ Er forderte die Verwaltung auf, nach alternativen Einnahmequellen zu suchen.
Auch die Sheriffin von Miami-Dade, Rosie Cordero-Stutz, wandte sich in einer Pressemitteilung entschieden gegen die Werbepläne; zu weiteren Fragen wollte sie sich nicht äußern. Der Streit zeigt eine wachsende Zwickmühle für klammen Kommunen: Markenpartnerschaften mit Unterhaltungsgiganten versprechen neue Einnahmen, doch die nicht jugendfreien Inhalte, die ein Franchise wie GTA profitabel machen, können zum politischen Risiko werden, sobald die Werbung auf öffentlichem Grund auftaucht.
Auch die Anwohner sind gespalten. Manche sind stolz darauf, dass das Spiel in ihrer Heimatstadt spielt – „Das Spiel ist mir wichtig, weil es hier in Florida spielt“, sagt der Fan Michael Cambridge –, andere wollen nicht, dass die Behörden ein Spiel offiziell bewerben, in dem Spieler Fußgänger überfahren und auf Polizisten schießen. Unterschrieben ist nichts, und alle Seiten bezeichnen die Gespräche als Sondierung. Da GTA VI für November angekündigt ist, hat der Streit darüber, wie viel vom echten Miami sich das fiktive borgen darf, gerade erst begonnen.
Quellen
- cbsnews.comMiami-Dade commissioner says proposed GTA VI partnership glorifies violence against police, pedestrians (CBS Miami)
- miamiherald.comSheriff opposes 'Vice City' marketing tie to Miami-Dade (Miami Herald)
- complex.comMiami-Dade County Is Not Vice City (Complex)
- golem.deWerbepläne: Miami streitet über Verwandlung in Vice City (Golem.de)




