Die ältesten bekannten Festkörper des Sonnensystems tragen die Spur eines Magnetfeldes, das weit stärker ist als das heutige Erdfeld — ein Beleg, so Wissenschaftler, dass Magnetismus in Simulationen der Planetenentstehung ernst genommen werden muss.

Ein Forscherteam um den Planetenwissenschaftler Cauê Borlina von der Purdue University untersuchte calcium-aluminiumreiche Einschlüsse im Dominion Range 08006, einem 667 Gramm schweren kohligen Chondriten, der 2008 in der Antarktis gefunden wurde. Diese Einschlüsse sind die ältesten Festkörper des Sonnensystems: Mineralien mit extrem hohen Schmelzpunkten, die sehr früh kondensierten — in den ersten 500.000 Jahren, bevor die Erde existierte. Bis etwa 2010 galten solche Einschlüsse als frei von magnetischen Mineralien; das Team fand jedoch in einigen von ihnen nanometergroße Körner aus ferromagnetischem Eisen-Nickel.

Statt die kostbaren Proben zu erhitzen — Meteoriten oxidieren dabei extrem schnell, was zuverlässige Messungen unmöglich macht — rekonstruierten die Forscher das Feld mit der Methode der anhysteretischen remanenten Magnetisierung, das die Körner beim Abkühlen unter ihre Curie-Temperatur erfuhren. Das Ergebnis: Felder von 150 bis 600 Mikrotesla — verglichen mit rund 30–60 Mikrotesla auf der Erde heute.

Meenakshi Wadhwa von der University of California in San Diego, frühere Direktorin des Center for Meteorite Studies der Arizona State University, bezeichnete die Arbeit als „wirklich bedeutend": Sie liefere das erste eindeutige paläomagnetische Signal eines kohligen Chondriten, und das geschätzte Feld liege um ein Vielfaches über früheren Schätzungen. Sie warnte jedoch, die Stichprobe sei klein — fünf Einschlüsse aus einem einzigen Meteoriten — und es brauche Messungen an anderen Chondriten-Gruppen, um zu klären, ob das Signal eine echte Aufzeichnung des Urnebels ist oder etwas Lokales, das nur diesen Stein betrifft.

Borlinas Botschaft an die Modellierer ist deutlich: Simulationen protoplanetarer Scheiben „drehen oft einfach die Gravitation hoch", um Akkretionsraten zu reproduzieren — aber „man kann Magnetfelder nicht einfach ignorieren; sie müssen in den Simulationen vorkommen." Die Studie von Borlina und Kollegen aus den USA, China und Großbritannien ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen.