Eine neue, auf Licht basierende Technik könnte die gefürchtetste Krankheit in Neugeborenen-Intensivstationen in ihren Anfängen sichtbar machen: die nekrotisierende Enterokolitis (NEC), eine lebensbedrohliche Darmentzündung bei Frühgeborenen, die oft ohne Vorwarnung zuschlägt.
Die Methode nutzt die beinahe durchscheinende Haut von Frühgeborenen: Ein Sondenkopf beleuchtet den Bauch mit Infrarot- und sichtbarem Licht, ein Spektrometer misst das zurückgeworfene Licht bei verschiedenen Wellenlängen, und ein maschinelles Lernmodell wertet die Daten aus. Da NEC den Darm bei Sauerstoffmangel verdunkelt, lässt sich die Farbveränderung durch die Bauchdecke hindurch erkennen – ohne einen einzigen Schnitt.
In einer Pilotstudie an 96 Säuglingen erkannten die Scans alle zehn Babys mit NEC korrekt – allerdings mit einer erheblichen Zahl falsch positiver Ergebnisse. „Wenn sich die Ergebnisse bestätigen und verfeinern lassen, würde ich es an jedem Inkubator jeder Neugeborenen-Intensivstation sehen wollen, einfach als Teil der Routine“, sagte Seth Goldstein, Kinderchirurg am Lurie Children's Hospital of Chicago, dessen Team mit der Northwestern University zusammenarbeitet.
NEC tötet mehr als 20 Prozent der betroffenen Babys und kann sich innerhalb von Stunden von einer geblähten Bauchdecke zu schwerer Erkrankung entwickeln. Bis zu fünf Prozent aller Frühgeborenen sind betroffen – und zehn Prozent derjenigen, die mit weniger als 1.500 Gramm geboren werden. Im Frühstadium helfen Antibiotika und intravenöse Ernährung; im schweren Stadium ist oft eine Operation zur Entfernung von Darmteilen nötig. Spezifische Medikamente gibt es nicht.
Innerhalb des nächsten Jahres wollen die Forscher eine große Studie starten, in der Babys regelmäßig gescannt werden, um NEC vor dem Auftreten von Symptomen zu erkennen – in Tierversuchen mit täglichen Scans gelang das bereits. Parallel arbeitet das Team an einem kostengünstigen Handgerät. Ravi Patel, Leiter der neonatalen klinischen Forschung an der Emory University, mahnt jedoch zur Vorsicht: Die Pilotstudie umfasse „zu wenige Fälle, um zu wissen, wie sie sich in der Praxis bewähren würde“, und falsch positive Befunde könnten zu Überbehandlung führen. Die Technologie sei es aber wert, weiter untersucht zu werden.
Quellen
- sciencenews.orgA light-based scan could detect deadly bowel disease in preterm babies (Science News)
- luriechildrens.orgNew Noninvasive Tool May Allow Early Detection of Dangerous Intestinal Disease in Preemies (Lurie Children's)
- contemporarypediatrics.comHandheld optical device detects necrotizing enterocolitis in premature infants before radiographic signs appear (Contemporary Pediatrics)




