Libreboot ist eine Distribution von coreboot — der quelloffenen Firmware, die das proprietäre BIOS/UEFI eines Boards ersetzt —, gebündelt mit freien Bootloadern und Payloads, mit dem Ziel vollständig freier Systemfirmware. Die Beschränkung lag nie im coreboot-Kern, sondern im Bootpfad. Coreboot übergibt die Kontrolle an eine Payload, und für Libreboot-Nutzer blieben jahrelang praktisch nur Legacy-BIOS-Payloads wie GRUB oder SeaBIOS. Auf Rechnern, deren Firmware das Compatibility Support Module (CSM) — die Krücke, mit der UEFI-Systeme alte Option-ROMs starten — gestrichen hatte, war dieser Weg schlicht versperrt.
heise meldet, dass Libreboot nun auch per UEFI startet. In der Praxis wird dazu coreboot mit einer UEFI-Payload kombiniert, so dass der Rechner dem Betriebssystem eine standardmäßige UEFI-Umgebung statt einer Legacy-Umgebung präsentiert — die EDK2/Tianocore-Linie, die Hersteller wie System76 bereits in ihrer coreboot-Firmware verwenden.
Warum das zählt: Intel und die Board-Hersteller streichen die CSM-Unterstützung, UEFI-only ist auf neuer Hardware der Normalfall. Eine freie Firmware-Distribution ohne UEFI-Pfad kann ihren Nutzern nicht auf neue Rechner folgen.
Eine ehrliche Einschränkung: Bootkompatibilität ist nicht Blob-Freiheit. Auf den meisten modernen x86-Plattformen hängt coreboot weiterhin von Herstellerbinaries ab — Intel Management Engine und FSP, AMDs PSP. Ein UEFI-fähiger Libreboot-Build erweitert also die Menge der startenden Rechner, nicht zwingend die Menge der Rechner, die ohne proprietäre Firmware laufen.
Für Nutzer ist die praktische Frage, für welche Boards der neue UEFI-Pfad validiert ist; Libreboots Dokumentation war immer boardweise organisiert, nie generisch.




