Medikamente wie Ozempic und Wegovy — ursprünglich gegen Typ-2-Diabetes entwickelt und für ihren Gewichtsverlust berühmt — zeigen eine weniger bekannte Wirkung: Sie dämpfen das Verlangen nach Alkohol und anderen Suchtstoffen. Neue Forschung weist zunehmend auf ein bestimmtes Hirnareal hin, das die Verbindung zwischen dem Denken über eine Belohnung und dem Drang, sie zu verfolgen, herstellt: das laterale Septum.
Beim Menschen senken GLP-1-Agonisten nachweislich den Alkoholkonsum. In Tierversuchen reduzieren dieselben Medikamente den Konsum von Kokain, Amphetaminen, Opioiden und Nikotin. Das wirft die Frage auf, wo genau im Gehirn sie wirken — die klassischen Belohnungsregionen (die ventrale tegmentale Area und der Nucleus accumbens, die Dopamin produzieren) besitzen kaum GLP-1-Rezeptoren.
Das laterale Septum hingegen ist dicht mit GLP-1-Rezeptoren bestückt. Es erhält vom Hippocampus Informationen darüber, 'wo und wann' sich ein Organismus befindet, und fügt über eigene Ortszellen, die stark auf Belohnungen reagieren, die Information hinzu, 'was an diesem Ort gut ist'. Von dort kommuniziert es mit den dopaminproduzierenden Regionen — eine Position, die es zu einem idealen Kontrollpunkt zwischen dem Nachdenken über eine Belohnung und dem Drang zu ihrer Verfolgung macht.
Mehrere Studien aus dem Jahr 2026 untermauern das Bild. In einer im Fachjournal Neuron veröffentlichten Arbeit zeigten Y. Tian und Kollegen, dass die Aktivierung GLP-1-Rezeptor-tragender Neuronen im dorsolateralen Septum den Alkoholkonsum und die alkoholbedingte Dopaminfreisetzung im Nucleus accumbens von Mäusen senkt; auch Liraglutid reduzierte den Alkoholkonsum über diese Rezeptoren. Bereits zuvor hatte GLP-1-Aktivierung direkt im lateralen Septum die Nahrungsaufnahme bei Mäusen verringert.
Wissenschaftler sprechen nun vom lateralen Septum als einem möglichen 'Verlangenszentrum' — einer Region, die erklären könnte, warum dieselbe Medikamentenklasse gegen so unterschiedliche Probleme wie Fettleibigkeit und Alkoholabhängigkeit hilft. Die Erkenntnisse könnten den Weg zu neuen Behandlungen für Suchterkrankungen ebnen — und das Verständnis dafür vertiefen, wie Belohnung und Gewohnheit im Gehirn entstehen.
Quellen
- sciencedaily.comOzempic may have revealed the brain's hidden 'craving center' (ScienceDaily via The Conversation)
- sciencedirect.comA septal inhibitory circuit constrains alcohol reward and relapse (Neuron)
- medicalxpress.comWeight-loss drugs like Ozempic could work for addiction — here's what the evidence shows (Medical Xpress)




