27 Fields-Medaillenträger – darunter Terence Tao, Peter Scholze, Maryna Viazovska und der Preisträger von 2026, Yu Deng – haben eine Erklärung unterzeichnet, die warnt, das Wettrennen um KI-Lösungen berühmter Mathematikprobleme sei mit dem eigentlichen Sinn der Mathematik "schwer fehlausgerichtet".
Die unter mathandai.org veröffentlichte Erklärung mit dem Titel "A Severe Misalignment of AI in Mathematics" argumentiert, Problemlösen sei nur ein Werkzeug und Stellvertreter für das eigentliche Ziel: konzeptuelles Verständnis. Die Unterzeichner warnen, die Massenproduktion von "wahr/falsch"-Aussagen in immer höherem Tempo "könnte fruchtbaren Boden zerstören, statt neuen Ideen Leben einzuhauchen" – es bleibe keine Zeit für saubere Ausarbeitungen, die Herausarbeitung neuer Methoden oder die Zitierung früherer Arbeiten, was ernste Zuschreibungs- und Plagiatsfragen aufwerfe.
Der Brief erscheint mitten in einer hitzigen Debatte über die mathematischen Fortschritte der KI. OpenAI erklärte, ein neues internes Modell habe nach rund einem Monat Training – begonnen am 28. August – mehr als 100 lang offene Probleme in den meisten Bereichen der Mathematik gelöst, und beansprucht neben dem früheren Navier–Stokes-Ergebnis ein zweites Millennium-Problem, dessen veröffentlichte Lösung selbst umstritten ist.
Gleichzeitig kündigte OpenAI eine Beratergruppe zu Mathematik und KI am Institute for Advanced Study an. Mitglieder dürfen laut Unternehmen frei beraten, Empfehlungen veröffentlichen und öffentlich sprechen; sie werden nicht bezahlt. Ein Punkt bleibt jedoch außerhalb ihres Auftrags: wie schnell OpenAI seine eigene Mathematikforschung vorantreibt.
Der Riss zeigt sich auch innerhalb der Preisträger. Timothy Gowers, Fields-Medaillenträger, der der Beratergruppe beitrat, die Erklärung aber nicht unterzeichnete, stimmt zu, dass die Mathematik in Schwierigkeiten steckt – sieht das eigentliche Risiko aber im möglichen Zusammenbruch der sozialen Strukturen, die mathematisches Wissen tragen: Zieht die Aussicht, berühmte Probleme zu lösen, keine Studierenden mehr an, ist unklar, was die Lücke füllt.




