Neunzehn EU-Staaten haben mit dem IPCEI-AI das ehrgeizigste gemeinsame KI-Projekt gestartet, das Europa jemals unternommen hat. Am 17. September unterzeichneten Minister und hochrangige Regierungsvertreter das Manifest für ein Wichtige Projekt von gemeinsamem europäischem Interesse für Künstliche Intelligenz und verpflichteten sich zu Gesamtinvestitionen von mehr als 10 Milliarden Euro in über 150 individuell ausgewählte Teilprojekte.

Die Initiative wird auf EU-Ebene vom Bundeswirtschaftsministerium koordiniert und zielt auf die gesamte KI-Wertschöpfungskette ab — von der Grundlagenforschung bis zur ersten industriellen Anwendung. Anders als bei KI-Chatbots für Konsumenten richtet sich das Projekt explizit an den B2B- und Industriesektor und will eine föderierte, verteilte Infrastruktur für KI-Dienste aufbauen, die Europas Industrierückgrat bedient.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hob Europas strategischen Vorteil hervor: Während US-amerikanische und chinesische Tech-Konzerne den KI-Konsummarkt dominieren, verfügt die europäische Wirtschaft über enorm hohe Mengen qualitativ hochwertiger Prozess-, Maschinen- und Produktionsdaten. Das Projekt soll diese Datentiefe in proprietäre, marktfähige KI-Technologien und tragfähige Geschäftsmodelle übersetzen.

Die Finanzierung erfolgt nach dem bewährten IPCEI-Prinzip: Großprojekte sind überwiegend privatwirtschaftlich getragen, aber staatlich kofinanziert, sofern grenzüberschreitende Kooperation und positive Multiplikatoreffekte für den EU-Binnenmarkt gegeben sind. Die deutschen Projektvorschläge wurden im September der EU-Kommission zur Notifizierung vorgelegt; bei planmäßigem Verlauf ist der offizielle Projektstart für Frühjahr 2027 vorgesehen.

Das Konsortium deckt ein breites Spektrum ab: Robotik, Halbleiter, Energie, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung sollen von den neuen Kernmodellen und Agenten-Frameworks profitieren. Parallel dazu fördert das Digitalministerium mit bis zu 5 Millionen Euro pro Vorhaben die Überführung von Spitzenforschung in marktfähige Innovationen. Mit Kanada investiert man gemeinsam 300 Millionen kanadische Dollar in die Non-Profit-Organisation LawZero, die unter Yoshua Bengio eine sichere KI nach dem Scientist-AI-Ansatz entwickelt.