Epic Games hat einen neuen Launcher, und die interessanteste Ingenieursaussage daran betrifft das, was fehlt: sehr viel handgeschriebener Code. Laut Ars Technica setzte das Unternehmen beim Bau der App stark auf KI-gestütztes "Vibecoding" und sagt, das Ergebnis sei schneller als Steam.
Die Behauptung trifft einen ungewöhnlich empfindlichen Punkt. Steams Launcher ist seit Jahren ein Beschwerdemagnet, und Epics eigener Store wird seit Jahren bei Leistung und Feinschliff ungünstig mit ihm verglichen. Einen Geschwindigkeitsvorteil zu behaupten, ist das eine. Zu behaupten, er sei mit der Technik erzielt worden, bei der erfahrene Entwickler zusammenzucken, ist etwas anderes — schon die Überschrift bei Ars ("Programmieren ist schwer") deutet an, dass das Unternehmen dies nicht als Triumph des Handwerks präsentiert.
Vibecoding — beschreiben, was man will, und das Modell den Großteil der Implementierung erzeugen lassen — funktioniert nachweislich gut beim schnellen Bau von Oberflächen und nachweislich schlecht beim Erzeugen von Code, den ein Team ein Jahrzehnt lang pflegen kann. Ein Desktop-Launcher ist auf eigenartige Weise eine fast perfekte Demo: viel Oberfläche, wenig neuartige Algorithmen, und beurteilt am einzigen Maßstab, der Nutzer interessiert — ob es sich schnell anfühlt, wenn man spielen will.
Ob diese Geschwindigkeit den Zuwachs von Store, Freundeslisten, Cloud-Speicherständen und dem Rest der Plattform übersteht, muss Epic öffentlich beantworten. Die folgenreichere Frage für die Branche ist leiser. Wenn sich eine Flaggschiff-Anwendung für Endkunden so zusammensetzen lässt, geht die Debatte über KI-generierten Code nicht mehr darum, ob es geht, sondern darum, wer ihn wartet, wenn er kaputtgeht — und wie lange diese Arbeit unsichtbar bleibt.




