Tief unter dem Pazifischen Ozean geschieht etwas Seltsames im Inneren der Erde. Ein massiver Strom aus flüssigem Eisen, der sich jahrelang in eine Richtung bewegt hatte, kehrte 2010 plötzlich seine Richtung um – von einer schwachen Westdrift zu einer starken Ostströmung. Wissenschaftler hatten dies nicht erwartet, und das volle Ausmaß der Verschiebung wurde nur dank Satelliten entdeckt, die Hunderte von Kilometern über der Erde kreisen.

Der äußere Kern liegt etwa 1.370 Meilen unter der Oberfläche, eine Kugel aus geschmolzenem Eisen und Nickel bei Temperaturen, die mit der Oberfläche der Sonne konkurrieren. Wenn dieses überhitzte Metall wirbelt, erzeugt es das geomagnetische Feld, das den Planeten vor Sonnenstrahlung schützt und moderne Navigation ermöglicht.

Jahrzehntelang glaubten Wissenschaftler, dass die großräumigen Strömungen im äußeren Kern stetig nach Westen drifteten. Dann zeigten die Daten etwas anderes.

Eine neue Studie unter der Leitung von Frederik Dahl Madsen von der School of Geosciences der Universität Edinburgh analysierte Magnetfeldmessungen von 1997 bis 2025 und nutzte Daten der ESA-Missionen Swarm und CryoSat, der deutschen CHAMP-Mission und des dänischen Satelliten Ørsted.

'Die großräumige Strömungsumkehr unter dem Pazifik wirft neue Fragen über das Verhalten des tiefen Erdinneren auf', sagte Madsen. 'Wissenschaftler wollen nun verstehen, ob die Umkehr eine kurzlebige Fluktuation, Teil einer wiederkehrenden Oszillation oder ein neues stabiles Gleichgewicht für die Kernzirkulation darstellt.'

Die Umkehr fiel mit einem geomagnetischen Ereignis zusammen, das als geomagnetischer Ruck von 2017 bekannt ist – einer plötzlichen Beschleunigung des Erdmagnetfelds. Die Forscher verbanden es auch mit Veränderungen im festen inneren Kern, die von Seismologen entdeckt wurden, was darauf hindeutet, dass das gesamte tiefe Erdinnere dynamischer gekoppelt sein könnte als bisher angenommen.

'Der Anstieg der starken Ostströmung im Pazifik ist zeitgleich mit einer Verhaltensänderung im inneren Kern', erklärte Madsen. 'Wir vermuten, dass diese Veränderungen im tiefen Inneren mit den Strömungsänderungen unter dem Pazifik zusammenhängen.'

Das ESA-Swarm-Satellitentrio, das 2013 gestartet wurde, war von entscheidender Bedeutung. Jeder Satellit trägt hochempfindliche Magnetometer, die winzige Variationen des Magnetfelds messen und es Wissenschaftlern ermöglichen, Signale aus dem Kern von Störungen durch Kruste, Ozeane, Atmosphäre und Weltraumwetter zu trennen.

ESA-Swarm-Missionswissenschaftlerin Elisabetta Iorfida stellte fest, dass 'regionale Veränderungen innerhalb eines Jahrzehnts schnell auftreten können'. Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass die Ostströmung seit 2020 nach Erreichen eines Höhepunkts nachgelassen hat, was die Möglichkeit einer erneuten Umkehr eröffnet.

Diese tiefen Bewegungen stellen keine direkte Gefahr dar – sie sind weder mit Erdbeben noch mit Klimawandel verbunden –, aber Veränderungen des Erdmagnetfelds können Satellitenkommunikation, Flugzeugnavigation und Weltraumwettervorhersage beeinflussen. Den Dynamo im Herzen der Erde zu verstehen, ist nicht nur eine akademische Frage: Er treibt den unsichtbaren Schild an, der moderne Technologie möglich macht.