Schlangen verdanken ihren langen, beinlosen Körper womöglich keinem einzigen Lebensraum. Ein neu beschriebenes Fossil aus Brasilien, Tametara mirim, deutet darauf hin, dass frühe Schlangen vor rund 80 Millionen Jahren bereits in unterirdischen, terrestrischen und marinen Umgebungen verbreitet waren — und beendet damit eine lange Debatte darüber, ob das Graben oder das Schwimmen zuerst kam.
Die Schlange aus der späten Kreidezeit, beschrieben anhand eines gut erhaltenen Skeletts, zeigt einen kompakten Schädel und sensorische Merkmale, die mit einem Leben unter der Erde verbunden werden. Mithilfe von CT-Scans und 3D-Rekonstruktionen untersuchten die Forscher die innere Anatomie, ohne das Fossil zu beschädigen. Im Vergleich mit Dinilysia patagonica, einer älteren Schlange aus Argentinien, zeigten sich deutliche Unterschiede: Während Tametara für das Graben gebaut war, scheint Dinilysia besser für Bewegung und Jagd an der Oberfläche geeignet.
Genau dieser Kontrast ist der Punkt. Statt einem einzigen evolutionären Weg zu folgen, passten sich verschiedene Schlangenlinien erstaunlich früh in ihrer Geschichte an unterschiedliche Lebensräume an — und andere Fossilien aus marinen und terrestrischen Ablagerungen vervollständigen das Bild einer Gruppe, die sich gleichzeitig in mehrere Richtungen ausbreitete. Der lange, beinlose Bauplan erwies sich als flexibel genug für unterirdische, bewaldete und aquatische Umgebungen — sofern Schädel und Sinne zur Aufgabe passten.
Die Ergebnisse verändern die Sicht der Wissenschaft auf die Ursprünge eines der erfolgreichsten Körperdesigns der Wirbeltiergeschichte. Schlangen leben heute fast überall, und diese Studie legt nahe, dass die ökologische Vielseitigkeit, die das ermöglicht, fast von Anfang an vorhanden war.
Quellen
- phys.orgEarly snakes explored life underground, on land and at sea (Phys.org)
- helsinki.fiEarly snakes explored life underground, on land and at sea (University of Helsinki)
- sciencetimes.comFossils Reveal Ancient Snakes Were More Adaptable, Exploring Life Underground, Land, and Sea (Science Times)
- bioengineer.orgAncient snakes adapted to underground, terrestrial and marine environments (Bioengineer.org)




