Lungenkrebs ist weltweit die häufigste Krebstodesursache, fast jeder fünfte Krebstod geht darauf zurück. Rund 15 Prozent der Fälle sind kleinzellige Lungenkarzinome (SCLC), und zwei Drittel davon werden bereits im ausgedehnten Stadium (ES-SCLC) diagnostiziert — einer aggressiven, schnell wachsenden Erkrankung, die typischerweise innerhalb eines Jahres zum Tod führt. Nur 3,6 Prozent der ES-SCLC-Patienten leben fünf Jahre nach der Diagnose.

Auf dem ESMO-Kongress in Madrid wurden am Samstag die Ergebnisse der Phase-III-Studie DeLLphi-305 vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht. 563 Patienten, deren Erkrankung nach einer Induktionsbehandlung mit Imfinzi (Durvalumab) plus Platin-Chemotherapie und Etoposid nicht fortgeschritten war, wurden 1:1 randomisiert: Imfinzi plus Tarlatamab oder Imfinzi allein, jeweils bis zur Progression oder inakzeptabler Toxizität.

Die Ergebnisse sind für diese Erkrankung außergewöhnlich. In der geplanten Interimsanalyse betrug das mediane Gesamtüberleben 21,1 Monate mit der Kombination gegenüber 12,7 Monaten mit Imfinzi allein — ein Rückgang des Sterberisikos um 58 Prozent (Hazard Ratio 0,42; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,32-0,54; p<0,001) bei einer medianen Nachbeobachtung von rund 16 Monaten. Nach einem Jahr lebten schätzungsweise 79 Prozent der Kombinationspatienten, gegenüber 53 Prozent in der Monotherapie.

Auch das progressionsfreie Überleben verschob sich deutlich: 7,4 Monate gegenüber 1,9 Monaten (HR 0,34; 95-Prozent-KI 0,28-0,42), eine Risikoreduktion von 66 Prozent. Nach einem Jahr waren 38 Prozent der Patienten unter der Kombination ohne Progression am Leben, gegenüber 10 Prozent. Die bestätigte Ansprechrate lag bei 26,4 Prozent gegenüber 4,1 Prozent, die mediane Ansprechdauer bei 12,7 gegenüber 5,6 Monaten. Der Nutzen zeigte sich in allen vorab definierten Untergruppen, einschließlich Patienten mit Hirn- oder Lebermetastasen.

Tarlatamab ist ein first-in-class bispezifischer T-Zell-Engager: Das Molekül bindet DLL3 auf Tumorzellen und CD3 auf T-Zellen und bringt so Immunzellen dazu, DLL3-exprimierende SCLC-Zellen zu töten. DLL3 liegt bei 85 bis 96 Prozent der SCLC-Patienten auf der Zelloberfläche, auf gesunden Zellen dagegen kaum. Die Kombination verbindet damit zwei verschiedene Angriffspunkte: die Checkpoint-Blockade, die die Immunabwehr löst, und die direkte Rekrutierung von T-Zellen an den Tumor.

Die Sicherheit entsprach den bekannten Profilen der Einzelsubstanzen. Unerwünschte Ereignisse Grad 3 oder 4 im Zusammenhang mit der Behandlung traten bei 20,9 Prozent der Kombinationspatienten und 10,8 Prozent der Monotherapiepatienten auf. Die Abbruchrate war niedrig, tödliche behandlungsbedingte Ereignisse gab es keine. Nach der ersten Infusion wurden die Patienten ein bis zwei Stunden beobachtet, in einigen Regionen einschließlich Europa sechs bis acht Stunden — ein Hinweis auf das Zytokin-Freisetzungsrisiko, das T-Zell-Engager mit sich bringen.

Einordnen lässt sich das Ergebnis nur mit Einschränkungen: Die Studie war offen, nicht verblindet, und die vorgelegten Zahlen stammen aus einer geplanten Interimsanalyse. Sponsor ist Amgen, AstraZeneca beteiligte sich an der Finanzierung und stellte Imfinzi. Zu Zulassungsanträgen oder Preisen machte AstraZeneca in der Mitteilung keine Angaben; Imfinzi plus Tarlatamab dürfte zu den teuersten Kombinationen der Onkologie gehören.

Jacob Sands vom Dana-Farber Cancer Institute, international koordinierender Prüfer der Studie, sagte, Ausmaß und Konsistenz des Nutzens seien „beeindruckend" für eine Krankheit, in der dauerhafte Lebensverlängerung extrem schwer zu erreichen war. Leora Horn von AstraZeneca ging weiter und sprach davon, die Kombination werde „den Behandlungsstandard neu definieren". Für die rund 195.000 Menschen, die 2026 weltweit wegen eines ES-SCLC behandelt werden, ist das die erste echte Hoffnung seit Jahren — vorausgesetzt, sie bekommen Zugang.