Kanada will aufhören, von amerikanischen Raketen abhängig zu sein. Am Donnerstag kündigte die in Toronto ansässige Canada Rocket Company den Bau des ersten großen Raketentriebwerk-Prüfstands des Landes an – ein 30 Millionen Dollar teures, 50 Acre großes Gelände am London International Airport in Ontario mit bis zu drei vertikalen und horizontalen Ständen für Triebwerke mit mehr als 1 Meganewton (225.000 Pfund) Schub.
Die Anlage trägt den Namen des kanadischen Astronauten Jeremy Hansen, der mit Artemis II als erster Nicht-Amerikaner in den Tiefraum flog und heute eine nationale Symbolfigur ist. Das Unternehmen will dort in etwa zwei Jahren mit Tests seines E-1-Triebwerks beginnen.
Das Projekt ist die sichtbare Spitze einer größeren Verschiebung. Nach Zöllen, Annexionsrhetorik und allgemein angespannten Beziehungen zu den USA überdenkt Ottawa Bereiche, in denen es sich zuvor auf amerikanische Güter und Dienste verlassen hatte – darunter den souveränen Zugang zum Weltraum. Im Frühjahr vergab das Programm Launch the North erste Mittel von 8,33 Millionen CAD an drei Unternehmen, darunter Canada Rocket Company, zur Förderung leichter Trägerraketen.
Canada Rocket Company entschied, kleine Raketen ganz zu überspringen. CEO Hugh Kolias sagte, Gespräche mit rund 150 Ingenieuren – von der Führung der Starship-Entwicklung bis zu Nachwuchskräften – hätten das Team überzeugt, dass ein Leichtlastträger ein Raketenprogramm nicht entscheidend absichern würde; bei einem Wechsel zu etwas Größerem würde das meiste verworfen. Stattdessen entwickelt das Unternehmen die R-2: eine mittelschwere Rakete mit neun methanbetriebenen Triebwerken, Landebeinen als Schritt zur späteren Wiederverwendung und bis zu 12,5 Tonnen Nutzlast in niedriger Erdumlaufbahn. Der Erststart ist für 2032 angepeilt.
Das Unternehmen hat rund 30 Beschäftigte – viele davon kanadische Raketeningenieure, die SpaceX, Blue Origin und Rocket Lab verließen, um heimzukehren – und hat bislang 22,5 Millionen Dollar eingeworben, während es eine Series A vorbereitet. Kolias sagte, die kanadische Regierung könne letztlich bis zu einer halben Milliarde Dollar in eine souveräne Startfähigkeit stecken, verbunden mit garantierten Startaufträgen. Die Satelliten des Landes flogen lange auf amerikanischen Raketen; nun sollen sie von zu Hause starten.
Quellen
- arstechnica.comAs US relations fray, Canada gets serious about its own launch industry (Ars Technica)
- theglobeandmail.comCanada Rocket Co. to invest $30-million in Ontario engine testing facility (The Globe and Mail)
- financialpost.comCanadian company to build country's first rocket engine test facility (Financial Post)
- lfpress.comAerospace firm plans $30M rocket engine test facility in London (London Free Press)



