Broken Sword: The Shadow of the Templars beginnt mit einer kleinen, sehr französischen Katastrophe: Der amerikanische Tourist George Stobbart sitzt vor einem Pariser Café, ein Clown mit Akkordeon geht vorbei — dann eine Explosion. Dreißig Jahre später kennen deutschsprachige Spieler das Spiel noch immer unter dem Titel, unter dem es hierzulande erschien: Baphomets Fluch. Golem nahm das Jubiläum zum Anlass für einen Beitrag übers Paris-Sehen und Tempelritter-Jagen.

Revolution Software, das britische Studio, das Charles Cecil mit Tony Warriner, Noirin Carmody und David Sykes gegründet hatte, baute es Mitte der 1990er als Point-and-Click-Adventure — in einer Zeit, in der das Genre neben 3D-Actionspielen technisch für obsolet erklärt wurde. Die Antwort war keine Technologie. Es war ein handgezeichnetes Paris aus Cafés und Gassen, eine Fotojournalistin namens Nicole Collard, ein gestohlener Aktenkoffer und eine Verschwörung, die von Syrien über Irland bis zu einer schottischen Villa reichte — erzählt im Tempo eines Thrillers statt mit den Kalauern, die inzwischen der Standardton des Genres waren.

Die Serie hörte nie auf. 1997 folgte The Smoking Mirror, dann die 3D-Ära von The Sleeping Dragon und The Angel of Death, dann eine Kickstarter-Kampagne, die 2013 ihr Ziel erreichte und The Serpent's Curse hervorbrachte. 2024 veröffentlichte Revolution Shadow of the Templars: Reforged, eine Neuauflage des Originals mit neu gezeichneten Grafiken und überarbeiteter Oberfläche — das zeitgemäße Werkzeug, um ein dreißig Jahre altes Adventure auf Hardware installierbar zu halten, die kein CD-Laufwerk mehr besitzt.

Beim Jubiläum geht es nicht wirklich um Nostalgie. Adventure-Spiele sind der klarste Fall einer Gattung, deren Wert fast vollständig in Text und Grafik liegt und deren Archiv nur überlebt, wenn jemand es aktiv neu veröffentlicht. Ein Spiel von 1996, das ein Spieler 2026 noch kaufen kann, ist das Produkt eines Rechteinhabers, der an den Wert geglaubt hat — nicht das Produkt einer Branche, die Dinge standardmäßig bewahrt.

Sichtbar macht der Rückblick vor allem, wie lokalisationbewusst das Handwerk dieser Jahre war, was moderne Veröffentlichungen oft vergessen. Die deutsche Fassung war kein Untertitel-Durchlauf, sondern eine eigene Produktion — eigene Sprecher, eigene Witze, eigener Titel. Deshalb trägt eine Jubiläumszeile im Jahr 2026 Baphomets Fluch und nicht den englischen Namen. Drei Jahrzehnte später ist das noch immer das Argument für die Neuauflage statt für den Geburtstag: Eine gute Geschichte überlebt ihre Plattform nur, wenn jemand für den Port bezahlt.