Großbritannien würde regulierende Eingriffe bei fortschrittlichen KI-Modellen in Betracht ziehen, wenn das derzeitige freiwillige System der Tests vor der Markteinführung den Schutz der Öffentlichkeit nicht mehr gewährleistet — das erklärte KI-Minister Kanishka Narayan gegenüber Reuters.

Der Schritt wäre eine Abkehr vom bisherigen Ansatz des Landes, der auf freiwillige Zusagen und einen flexiblen, innovationsfreundlichen Rahmen statt auf verbindliche Gesetze setzt. Anders als die EU mit ihrem KI-Gesetz hat Großbritannien bisher auf branchenweite Selbstverpflichtungen gesetzt, wobei die führenden Labore ihre Modelle freiwillig unter anderem vom UK AI Safety Institute testen lassen.

Narayan sagte, die Regierung würde regulieren, wenn sich das freiwillige System als unzureichend erweise, um die Öffentlichkeit zu schützen. Die Aussage fällt in eine Zeit wachsender internationaler Debatten über die Aufsicht über hochmoderne KI — von den Gesprächen der Europäischen Kommission mit OpenAI und Anthropic nach Ausbrüchen autonomer KI-Agenten bis hin zu Forderungen nach verbindlichen Fähigkeitstests in Washington.

Unternehmensvertreter und einige Experten argumentieren, dass zu strenge Regeln die Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens im KI-Bereich gefährden könnten. Unterstützer strengerer Aufsicht halten dagegen, dass freiwillige Systeme kaum durchsetzbar seien und die Öffentlichkeit nicht schützten.

Wie genau ein mögliches Regulierungssystem aussehen würde, ließ Narayan offen. Die Regierung betont weiterhin, dass sie Großbritannien zu einem weltweit führenden KI-Standort machen will — mit dem Hinweis, dass Regulierung, falls nötig, gezielt und evidenzbasiert erfolgen werde.