Blau- und Finnwale, die durch den industriellen Walfang des 20. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung gebracht wurden, kehren einer neuen Studie unter Leitung der Universität Kapstadt zufolge langsam in den Südostatlantik zurück.
Die im African Journal of Marine Science veröffentlichte Studie wertete mehr als 60 Jahre bestätigter Sichtungen und Strandungen entlang der Küsten Namibias und Südafrikas aus — das Benguela-Auftriebsgebiet, einen nährstoffreichen Korridor, in dem Wale historisch fraßen und ihre Jungen aufzogen.
Zwischen 1913 und 1978 wurden in südlichen Gewässern schätzungsweise 350.000 Antarktische Blauwale und rund 725.000 bis 750.000 Finnwale getötet. Heute sind Antarktische Blauwale weiterhin vom Aussterben bedroht; ihr Bestand wird auf nur 3 Prozent des Niveaus vor dem Walfang geschätzt, wächst aber um 5 bis 8 Prozent pro Jahr. Finnwale, die als gefährdet eingestuft sind, haben sich auf über 30 Prozent des historischen Niveaus erholt und wachsen jährlich um 4 bis 5 Prozent.
In der Region verzeichneten die Forscher zwischen 1964 und März 2025 zwölf Blauwalsichtungen, eine Strandung und fünf weitere publizierte Nachweise sowie 76 Finnwalsichtungen und sechs Strandungen — die große Mehrheit der Sichtungen erfolgte seit 2012.
"Unsere Ergebnisse liefern wichtige Belege dafür, dass sich diese Giganten der Ozeane langsam von den verheerenden Auswirkungen des kommerziellen Walfangs des 20. Jahrhunderts erholen", sagte die Erstautorin Dr. Bridget James. "Sichtungen bleiben selten, aber sie werden häufiger als in früheren Jahrzehnten."
Koautor Dr. Simon Elwen warnte, der Anstieg spiegele teils wachsende Beobachtungsanstrengungen wider, etwa durch Wildtierbeobachter auf seismischen Forschungsschiffen. Die Forscher betonen, die Erholung sei noch lange nicht abgeschlossen: Große Wale seien weiterhin durch Schiffskollisionen, Verfangen in Fanggeräten, Unterwasserlärm, Verschmutzung und klimabedingte Veränderungen der Meeresökosysteme gefährdet.
Die Autoren empfehlen, die passive akustische Überwachung auszubauen, die Abdeckung mit geschulten Beobachtern zu erhöhen und Wal-Verbreitungsdaten in die Meeresraumplanung einzubeziehen, um die langsame, aber ermutigende Erholung zu schützen.
Quellen
- phys.orgPhys.org: After commercial whaling nearly erased them, blue and fin whales are slowly reclaiming the southeast Atlantic
- timesofindia.indiatimes.comTimes of India: Commercial whaling killed 350,000 blue whales and 725,000 fin whales — more than 40 years later, the giants are slowly returning to the southeast Atlantic
- news.uct.ac.zaUniversity of Cape Town: Sightings of blue and fin whales increase in South-East Atlantic
- news.mongabay.comMongabay: Sightings off Southern Africa suggest blue and fin whales may be rebounding



