Die jährlichen Richard-Wagner-Festspiele im südostdeutschen Bayreuth brachten am Wochenende ihre erste KI-gestützte Produktion auf die Bühne — und das Experiment ließ Teile des Publikums kalt. Am Ende der Samstagabend-Vorstellung der Götterdämmerung wurden Kurator Marcus Lobbes und sein Team nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa mit Buhrufen und Pfiffen empfangen, als sie die Bühne betraten. Die Sänger, das Orchester und vor allem Dirigent Christian Thielemann erhielten dagegen warmen Applaus.

Die Festspielleitung hatte vor der Vorstellung angekündigt, dass KI hier erstmals auf der Bühne des Festivals auftrete — "nicht als Figur, sondern als bilderzeugende Kraft". Die Sänger sollten "der Fixpunkt in einem visuell wogenden Kosmos aus Licht, Textur, Geschichte und Assoziation" sein, umgeben von Projektionen, die "aufbrechen, sich ständig verschieben und ineinander übergehen".

Die KI-gestützte Collage, zusammengesetzt aus Szenen früherer Ring-Inszenierungen und von Lobbes — Leiter der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund — vorausgewählten historischen Themen, verblüffte die Zuschauer. Zu den projizierten Bildern gehörten Altkanzler Helmut Kohl, die Türme des World Trade Centers nach den Anschlägen vom 11. September und eine Sonderbriefmarke zur deutschen Wiedervereinigung 1990.

Die Festival-Website versprach: "Jede Vorstellung wird einzigartig sein — denn die Bilder und Assoziationen stehen niemals still." Zwei weitere Vorstellungen mit der KI-Inszenierung sind geplant — dem Publikum bleibt die Chance, zu urteilen, ob das Experiment trägt.