Ayar Labs hat nach eigenen Angaben zusätzlich 150 Millionen Dollar eingesammelt; damit steigt das 2026 aufgenommene Primärkapital auf 650 Millionen Dollar. Das Unternehmen aus San Jose entwickelt co-packaged Optics (CPO) – optische Verbindungen, die direkt an oder in der Nähe von KI-Beschleunigern sitzen und deren Daten mit Licht statt über Kupferleiterbahnen übertragen. Nach Angaben aus Finanzkreisen liegt die Bewertung bei rund 5 Milliarden Dollar.
Neu im Kreis der strategischen Geldgeber ist Wiwynn, ein Anbieter von Cloud-IT- und Rechenzentrumsinfrastruktur, der bereits früher in diesem Jahr investiert hat und dies nun offenlegt. Er gesellt sich zu Alchip, AMD, Intel, MediaTek und NVIDIA sowie zu Wagniskapitalgebern wie Applied Ventures und VentureTech Alliance. Schon die Series E über 500 Millionen Dollar, die Ayar Labs in diesem Jahr abgeschlossen hat, war großzügig dotiert – die zusätzlichen 150 Millionen sind eine Erweiterung, keine neue Runde.
Die Begründung ist ein physikalisches Problem. Solange KI-Systeme aus einzelnen Beschleunigern bestanden, reichten elektrische Verbindungen. Mit dem Übergang zu Architekturen über mehrere Racks hinweg wird die elektrische I/O zum Engpass: Sie kostet Leistung, erzeugt Wärme und begrenzt die Reichweite. CPO rückt die Hochbandbreiten-Verbindung näher an den Rechenchip und soll so Skalierung ermöglichen, ohne dass Strombedarf und Komplexität der Kupferverbindungen explodieren. „Kupfer-Interconnect wird zum limitierenden Faktor für KI-Scale-up“, sagt CEO und Mitgründer Mark Wade. „Diese Finanzierung erlaubt es uns, bei marktreifen co-packaged Optics schneller zu skalieren.“
Das Geld fließt in Produktentwicklung, Validierung, den Aufbau der Fertigungsökosysteme und in die Vorbereitung der Serienproduktion. Konkret entsteht ein neues Designzentrum in Bengaluru, Indien, das die bestehenden Standorte in den USA und im taiwanesischen Hsinchu ergänzt. Geleitet wird es von Sankara Venkateswaran, dem Vice President of Silicon Engineering, der in diesem Jahr eingestellt wurde. Der Aufbau der indischen Engineering-Kapazität ist ausdrücklich als Schritt von der Technologieentwicklung zur Kommerzialisierung begründet – ein Signal, dass Ayar Labs die Fertigungsreife und nicht mehr den Laborbeweis als nächste Hürde sieht.
Wiwynn-Chef William Lin nennt CPO eine „Schlüsseltechnologie für die nächste Generation von KI- und Cloud-Rechenzentren“ und verweist auf einen „klaren Pfad zu neuen Architekturen“, die die Leistungs- und Komplexitätsgrenzen von Kupfer überwinden. Das ist die Sprache eines Systemanbieters, der Rack-Architekturen für Hyperscaler baut – und es ist die Stelle, an der sich entscheidet, ob optische I/O ein Nischenprodukt bleibt oder zur Standardverkabelung der nächsten Generation wird.
Ein Vorbehalt gehört dazu: Die Angaben zum Investitionsvolumen, zu den strategischen Geldgebern und zum neuen Standort stammen aus der Unternehmensmitteilung; unabhängig geprüft sind sie bislang nicht. Ebenso offen ist, wie schnell sich CPO in großem Maßstab durchsetzt – die Konkurrenz im Bereich optischer Verbindungen für KI ist breit und kapitalintensiv, und die Fertigungsökosysteme (Foundry, Packaging, Test) sind selbst im Aufbau. Dass mit Wiwynn nun ein Rechenzentrums-Zulieferer an Bord ist, ist dennoch ein Hinweis darauf, wo die Branche die Engpässe der kommenden Jahre verortet.
Quellen
- ayarlabs.comAyar Labs Expands 2026 Funding to $650 Million to Scale Manufacturing-Ready CPO for AI Scale-Up — Ayar Labs
- reuters.comAyar Labs, backed by chip giants, extends funding round by $150 million — Reuters
- dealroom.coAyar Labs adds $150M to its Series E at a $5B valuation — Dealroom
- lightwaveonline.comAyar Labs scales funding to $650M — Lightwave




