Archer Aviation hat am Montag angekündigt, Boeing-Tochter Wisk Aero – gemeinsam mit den Tochterfirmen SkyGrid und Insitu – in einem reinen Aktiengeschäft zu übernehmen, das Boeing zum größten externen Aktionär des Entwicklers elektrischer Lufttaxis macht. Drei Jahre nachdem die beiden Unternehmen ihren erbitterten Rechtsstreit um Geschäftsgeheimnisse beigelegt hatten, bringt der Deal zwei der bekanntesten Namen der Branche für elektrisch startende und landende Flugzeuge (eVTOL) unter ein Dach.
Der Deal, der zusammen mit Archers Quartalszahlen bekannt gegeben wurde, verschafft Boeing Reuters zufolge einen Anteil von knapp 20 Prozent an Archer. Boeing hat sich außerdem bereit erklärt, bis zu 55 Millionen Dollar in eine bevorstehende Archer-Finanzierungsrunde zu investieren, und erhält Optionsscheine (Warrants) für den späteren Kauf von Archer-Aktien im Wert von bis zu 200 Millionen Dollar.
Womöglich noch bedeutsamer als die Beteiligung ist die Technologie-Allianz. Im Rahmen einer Cross-Licensing-Vereinbarung darf Boeing Wisk' zentrale autonome Flugtechnologie in seinen aktuellen und künftigen Verkehrs- und Verteidigungsflugzeugen einsetzen – ein Hinweis auf die Vorbereitungen des Luftfahrtriesen für einen möglichen 737-Nachfolger. Brian Yutko, bei Boeing Vizepräsident für Verkehrsflugzeug-Entwicklung und zuvor Wisk-CEO, nannte die Vereinbarung „eine Win-win-Situation für beide Unternehmen": Boeing behält eine finanzielle Beteiligung am Markt für urbane Luftmobilität und führt zugleich Wisk' geistiges Eigentum in seine Kernprodukte zurück.
Für Archer bringt die Übernahme nach den Worten von CEO Adam Goldstein einen fertigen Pool an Ingenieurstalenten, während das Unternehmen die Entwicklung eines hybridelektrischen „Loyal-Wingman"-Drohnenkonzepts mit Anduril Industries vorantreibt. Der Deal räumt zudem einen Rivalen im Wettlauf um die FAA-Zertifizierung des viertsitzigen Lufttaxis Midnight aus dem Weg.
Die Transaktion ist das jüngste Zeichen der Konsolidierung in einer Branche, die Milliarden an Investitionen angezogen hat, aber Schwierigkeiten hatte, den kommerziellen Betrieb aufzunehmen. Boeing wiederum trennt sich weiter von Vermögenswerten, die es als nicht zum Kerngeschäft gehörig betrachtet, bleibt aber über Wisk – 2010 als Zee.Aero gegründet, mit einem Konzept für ein vollautonomes Lufttaxi – dem Markt verbunden. Die Transaktion unterliegt behördlichen Genehmigungen und üblichen Abschlussbedingungen.
Quellen
- techcrunch.comTechCrunch: Archer buys former rival Wisk Aero
- reuters.comReuters: Archer to acquire Boeing's Wisk, two other units for nearly 20% equity stake
- theaircurrent.comThe Air Current: Archer to acquire rival Wisk as Boeing broadens its asset sales
- investors.boeing.comBoeing Investor News: Archer to Shape Physical AI Future of Aerospace and Defense with Acquisition of Boeing's Wisk Aero, Insitu and SkyGrid Subsidiaries




