Phil Schiller, seit über einem Jahrzehnt das öffentliche Gesicht des App Store, gibt die Führung des Geschäfts ab – und ein neuer Bericht legt nahe, dass sein Unbehagen über den Kurs des neuen CEO John Ternus dabei eine zentrale Rolle spielte.
Laut Bloomberg-Reporter Mark Gurman ist die Entscheidung teils privat motiviert: Schiller möchte mehr Zeit für seine Familie und für Philanthropie. Doch es gab einen weiteren Faktor. Ternus, der am 1. September offiziell die Nachfolge von Tim Cook antrat, und Services-Chef Eddy Cue wollen die Margen des App Store verbessern und mehr wiederkehrende Umsätze erzielen. Schiller, so Gurman, glaubte, dass das Ausquetschen weiterer Gewinne nur die Konflikte mit Regierungen und Entwicklern verschärfen würde.
Von einem dramatischen Bruch berichtet Gurman nicht – es habe keinen großen Streit über die Strategie gegeben. Schiller habe vielmehr beschlossen, bei der Umsetzung des Plans nicht mitzuwirken, und trat von seiner App-Store-Rolle zurück. Bei Apple bleibt er als Apple Fellow für unbestimmte Projekte.
Trifft der Bericht zu, ist der Vorgang ein markantes Signal für die Ära nach Cook. Schiller war der Manager, der die Kommissionsstruktur des App Store im Zeugenstand des Epic-Kartellverfahrens verteidigte und jahrelang der bekannteste Fürsprecher der Apple-Entwicklerpolitik war. Sein Rückzug bedeutet, dass die Architekten der nächsten Phase – Ternus und Cue – eine aggressivere Monetarisierung ohne sein Korrektiv vorantreiben werden.
Der Hintergrund ist voller regulatorischem und rechtlichem Druck. Im Juli bestätigte das oberste EU-Gericht Apples Status als 'Gatekeeper' nach dem Digital Markets Act; der App Store bleibt damit an Europas Interoperabilitäts- und Anti-Umleitungs-Pflichten gebunden. Apples Berufung im seit Jahren laufenden Epic-Verfahren liegt dem US Supreme Court vor. Beschwerden von Entwicklern über Provisionen und Zahlungsregeln reißen nicht ab – genau diese Sorge schreibt der Bericht Schiller zu: mehr Marge, mehr Kontrolle.
Ternus' Kurs wird bald für alle sichtbar. Am 9. September hält Apple seine erste große Produktveranstaltung unter dem neuen CEO; erwartet werden ein faltbares iPhone und die iPhone-18-Generation – die kommerzielle Bühne, auf der sich die neue App-Store-Ökonomie bewähren muss. (Reuters' eigene Berichterstattung enthält keine unabhängige Bestätigung der berichteten Motive; sie stammen aus Bloomberg-Quellen.)




