Xiaomi hat mit dem Poco F9 Pro ein Telefon gebaut, das nach Oberklasse schmeckt und nach Mittelklasse-Preis klingen sollte — und genau an dieser Erwartung scheitert. Das Testgerät von heise online zeigt ein Gerät, das technisch viel liefert, aber deutlich teurer geworden ist: 900 Euro (UVP) mit 256 GB, 1000 Euro mit 512 GB — 250 Euro mehr als beim Vorgänger. Im Handel sind die Preise inzwischen auf rund 655 bzw. 715 Euro gefallen.

Das Display ist der stärkste Punkt. Das OLED misst 6,59 Zoll, löst mit 2510 × 1156 Pixeln auf und wird sehr hell; selbst in der Sonne blieb es laut Test gut ablesbar. Die Bildwiederholrate reicht bis 185 Hz, schaltet aber nur in sechs Stufen zwischen 60 und 185 Hz um — LTPO fehlt, und die 185 Hz gibt es ausschließlich in Spielen, die sie unterstützen. In Apps sind standardmäßig höchstens 120 Hz drin.

Angetrieben wird das Gerät vom Snapdragon 8 Elite Gen 5, dazu kommen 12 GB RAM und wahlweise 256 oder 512 GB Speicher — ohne microSD-Slot. Ein Zusatzchip namens Vision Boost D8 soll Spiele auf bis zu 185 FPS hochrechnen. Bei den Funkstandards ist das Telefon aktuell: Wi-Fi 7, Bluetooth 6.0, NFC und ein Infrarot-Port; der USB-C-Anschluss arbeitet allerdings nur nach USB 2.0. Die von Bose abgestimmten Stereolautsprecher lobt der Test, der Fingerabdrucksensor unter dem Display arbeitet zuverlässig.

Die Kamera ist gemischt. Die Hauptkamera mit 200 Megapixeln (f/1,68) und optischem Stabilisator liefert bei Tageslicht sehr gute Bilder und auch nachts brauchbare Ergebnisse. Die Telelinse mit 50 Megapixeln und 2,5-fachem optischem Zoom ist für diese Preisklasse knapp — drei- oder mehrfach ist längst Standard — und lässt bei Nacht nach. Das Ultraweitwinkelobjektiv mit 8 Megapixeln fällt deutlich ab. Videos gelingen bis 4K bei 60 fps, die Stabilisierung ist aber nicht immer verlässlich.

Der Akku ist mit 6330 mAh großzügig und nutzt Silizium-Kohlenstoff-Technik; im PCMark-Battery-Test kam das Gerät auf rund 17 Stunden. Geladen wird mit bis zu 100 Watt per Kabel und rund 50 Watt kabellos. Als Software läuft Android 16 mit Hyper OS 3, inklusive Werbeeinblendungen, die sich abschalten lassen. Xiaomi verspricht vier große Android-Updates und quartalsweise Sicherheitspatches bis 2032.

Das Fazit fällt zwiespältig aus: viel Leistung, ein sehr helles Display und eine lange Laufzeit stehen einer teuren Preisstrategie und einer Telekamera gegenüber, die nicht zur Klasse passt. Für Käufer, denen Leistung und Bildschirm wichtiger sind als die Kamera, bleibt es dennoch eine günstigere Alternative zum Flaggschiff.