Ein gebrauchter Prozessor kann einen Spieler aus mehreren Online-Titeln aussperren – nicht, weil die Hardware defekt ist, sondern weil der Vorbesitzer damit betrogen hat.
Ein Fall auf Reddit schildert genau das: Jemand baute eine gebrauchte AMD Ryzen 7 5800X3D in seinen PC ein und wurde beim ersten Start des Taktik-Shooters Valorant sofort wieder hinausgeworfen. Der Support von Riot Games bestätigte, dass der Vorbesitzer gecheatet hatte; die CPU steht deshalb auf einer internen schwarzen Liste. Nach Angaben des Käufers zog der Eintrag beim Einbau offenbar weitere Komponenten wie das Mainboard mit. Riot entferne solche Einträge nicht manuell.
Betroffen sind neben Valorant alle PC-Titel des Studios: League of Legends, Teamfight Tactics, Legends of Runeterra, 2XKO und voraussichtlich künftige Spiele.
Möglich wird das durch Vanguard, Riots eigenes Anti-Cheat-System. Standardmäßig läuft es tief im Kernel-Modus von Windows und setzt einen Autostart voraus; stürzt es dort ab, müssen Spieler den PC neu starten. Erst im Juni 2026 erschien ein Update, das die Autostart-Pflicht aufweicht: Wer unter anderem ein Trusted Platform Module (TPM), Secure Boot und Speicherintegrität aktiviert, darf Vanguard erst mit Beginn einer Partie starten.
Wie Riot Prozessoren eindeutig identifiziert, ist offen. CPUs melden dem Betriebssystem nur ihr Modell – ein Ryzen 7 5800X3D ist von einem baugleichen nicht ohne Weiteres zu unterscheiden. Denkbar sind Hardware-Fingerabdrücke aus Taktverhalten und Spannungen, denn jeder Chip verhält sich minimal anders. Aus Studiosicht einfacher wäre ein Identifikations-Hash im TPM: Weil dieses bei den meisten PCs als Koprozessor direkt in der CPU sitzt, bliebe der Hash auch beim Wechsel in einen neuen Rechner erhalten – und im parallelen Startmodus greift Vanguard sicher darauf zu.
Ein historischer Vergleich drängt sich auf: Intels Pentium III trug ab 1999 eine eindeutige Seriennummer und löste damals Proteste von Datenschützern aus, die ein permanentes Cookie fürchteten.
Für Käufer gebrauchter Hardware heißt das: Nicht nur der Zustand der Komponente ist ein Risiko, sondern auch ihre Vorgeschichte – und für den Gebrauchtmarkt wird ein Hardware-Fingerabdruck zum unsichtbaren, mitverkauften Makel.




