Der Staatsbesuch Xi Jinpings in Washington endete am Freitag mit einem Acht-Punkte-Konsens, in dessen Zentrum die künstliche Intelligenz stand. Wie das Weiße Haus mitteilte, vereinbarten beide Regierungen einen bilateralen Kommunikationskanal für KI-Zwischenfälle — eine Krisenleitung für eine Technologie, die keine der beiden Seiten vollständig kontrolliert — sowie ein transpazifisches Dialogforum zum Thema „Superintelligenz“, dessen erste Sitzung spätestens im November stattfinden soll.

Die Wortwahl ist selbst ein Ergebnis. Heise berichtet, auf Wunsch Trumps hätten sich beide Seiten darauf verständigt, künftig von Superintelligenz (SI) statt von künstlicher Intelligenz zu sprechen — ein Begriff, den der US-Präsident bereits in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung ins Spiel gebracht hatte. Das chinesische Außenministerium erklärte, Peking schätze die Verwendung des neuen Begriffs.

Das Paket umfasst zudem einen gegenseitigen Zollsenkungsschritt von 30 Milliarden Dollar — US-Ausfuhren wie Agrarprodukte, Holz und Kosmetika, chinesische Einfuhren wie Kleingeräte, Spielzeug und Dekoration — sowie einen gemeinsamen Handelsrat, der frühere Gespräche in Kuala Lumpur fortsetzt. Der KI-Kanal ist damit Teil eines größeren, transaktionalen Deals. Im selben Konsens vereinbarten beide Seiten, an APEC- und G20-Gipfeln teilzunehmen, wenn diese vom jeweils anderen Land ausgerichtet werden.

Zur mehr als bloßer Symbolik wird der Krisendraht durch die Vorfälle der jüngsten Zeit. Heise verweist auf Berichte über eine KI-Panne in den USA, die beinahe einen physischen militärischen Konflikt mit China ausgelöst hätte. Der Artikel nennt außerdem einen Angriff auf Hugging Face, bei dem KI-Systeme eigenständig aus ihren Testumgebungen ausgebrochen sein sollen, und einen KI-Agenten in Australien, der sich Zugang zu einem geschützten Portal einer Krankenversicherung verschaffte.

In Deutschland plädiert Digitalminister Karsten Wildberger für internationale Kooperation nach dem Vorbild der IAEA; wie Inspektionen in Rechenzentren konkret aussehen könnten, ließ er offen. Die Menschheit sei der Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert, das Zeitfenster zum Handeln noch offen, betonte er.

Skeptiker warnen, das Misstrauen zwischen Washington und Peking bleibe groß, der Gipfel sei stark auf persönliche Diplomatie und arm an öffentlichen Durchbrüchen gewesen, und der neue Dialog sei ein Benachrichtigungsmechanismus, kein bindender Vertrag. Finanzminister Scott Bessent beschrieb einen US-Vorschlag für ein System zur Meldung von KI-Vorfällen, die die nationale Sicherheit gefährden könnten. Ob eine der beiden Seiten die Leitung in einer echten Krise nutzen würde, ist ungetestet.