Statt noch eine App zu installieren, verlangt eine schnell wachsende Kategorie von KI-Assistenten etwas, das alle beherrschen: eine Textnachricht. TechCrunch hat am Freitag eine Übersicht veröffentlicht – die Liste umfasst mehr als zwanzig Produkte, von Allround-Assistenten bis zu Spezialisten für Familie, Reisen und Beruf.
Warum Messaging gewinnt
Das Versprechen ist überall gleich. Man schreibt dem Assistenten, was man braucht; er erinnert sich an Kontext, verbindet sich mit Diensten, die man ohnehin nutzt, und erledigt Aufgaben – Termine, Recherche, E-Mails, Buchungen, Einkäufe, Erinnerungen Tage später. Kein neues Postfach, keine neue Oberfläche. Der Assistent lebt dort, wo die Unterhaltung schon stattfindet: iMessage, RCS, WhatsApp, Telegram, SMS.
Es geht um echtes Geld
Instinct, der prominenteste Name der Kategorie, sammelte im September 1 Milliarde US-Dollar bei einer Bewertung von 10 Milliarden ein – nach 350 Millionen zuvor bei 2,5 Milliarden. Tab kam Anfang Oktober mit einer Bewertung von 300 Millionen aus dem Stealth-Modus. Town sammelte im Juni eine 55-Millionen-Serie-A-Runde unter Führung von Andreessen Horowitz und Forerunner. Fambot schloss eine 3,5-Millionen-Pre-Seed ab; Skyes Mutterfirma Signull Labs sammelte rund 3,6 Millionen Seed. Auch Andreessen Horowitz' Speedrun-Fonds unterstützt den Haushalts-Assistenten Orbits.
Agenten erhalten eigene Identitäten
Die folgenreichste Verschiebung ist nicht die Konversation, sondern dass Agenten eigene Konten bekommen. Instinct begann, Nutzern eigene E-Mail-Adressen für ihre Assistenten zuzuweisen, damit diese Dienste abonnieren und Unternehmen anschreiben können, ohne das persönliche Postfach zu füllen. Wajos Agent Fo hat eine eigene E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Zahlungskarte – und kann, wenn er nicht weiterkommt, eine menschliche Assistenz hinzuziehen. Poke war im Juni der erste KI-Agent auf Apples Plattform Messages for Business; die Mutterfirma wurde von Cognition übernommen, in einem Deal im niedrigen neunstelligen Bereich.
Was es kostet
Die Preise sind bereits geschichtet. Martin startet bei 21 Dollar im Monat; Ollie verlangt 25 Dollar für 150 Nachrichten und 100 Dollar für bis zu 1.000; Tomo beginnt bei 19,99; Ohai bei 9,99; Pally kombiniert eine kostenlose Stufe mit 25- und 100-Dollar-Tarifen rund um Telefonminuten; Folk berechnet 8,33 Dollar im Monat für unbegrenzte Hintergrundaufgaben. Comma ist zu Beginn kostenlos – und Open Source.
Der ungeklärte Kompromiss
Einem Assistenten Kalender und E-Mails zu geben, ist eine Entscheidung. Ihm Zugangsdaten, eine Zahlungskarte und eine Telefonnummer zu geben, eine andere. Die Antworten der Branche gehen auseinander: Ollie wirbt mit SOC-2-Konformität; Underdog lässt sein Modell vollständig auf dem Gerät des Nutzers laufen, mit einer Beta nur auf Einladung für Mac und Windows und ohne geplante Werbung. Die meisten anderen arbeiten cloudbasiert und noch in der Beta – wo die interessanten Fehler zuerst passieren.
Einschränkungen
Die Liste ist ebenso sehr eine Momentaufnahme des Marketings wie des Produkts. Mehrere Dienste sind in privater Beta, und Nutzungszahlen sind Eigenangaben: Szn will über 7.500 Unternehmen in 16 Ländern bedient und 95 Stunden Telefonate erledigt haben. Es gibt zudem keinen Beleg, dass ein einzelner Assistent bereits zum Standard geworden ist – genau deshalb starten so viele.
Der eigentliche Wettbewerb dreht sich nicht um Funktionen, sondern darum, welchen Namen man in einen Nachrichtenverlauf tippt, wenn etwas erledigt werden soll. Und die Schnittstelle, die gewinnt, fühlt sich vielleicht am wenigsten nach Software an.




