Jedes Jahr legen Millionen Zugvögel weite Strecken zwischen ihren Brut- und Überwinterungsgebieten zurück. Neue Experimente deuten nun darauf hin, dass gepulste Hochfrequenz-Magnetfelder sie dabei desorientieren könnten – ein Ergebnis, das das Verständnis der tierischen Navigation vertieft.

In der Studie, veröffentlicht im Journal of the Royal Society Interface, setzten Forschende Singvögel gepulsten Magnetfeldern im Bereich von 1,41–1,5 MHz aus. Die Vögel verloren daraufhin ihre Fähigkeit, sich anhand des Erdmagnetfelds zu orientieren. Wichtig ist: Die Störung scheint über ein spezialisiertes Sinnesorgan vermittelt zu werden, nicht über Nebeneffekte im gesamten Körper.

Eine führende Erklärung für die Magnetwahrnehmung von Vögeln ist, dass Magnetfelder lichtabhängige chemische Reaktionen in einem Protein namens Cryptochrom in den Augen der Vögel subtil verändern. Die neuen Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie diese als Radikalpaar-Mechanismus bekannte Kette genau funktioniert und wo die Störung ansetzt.

Die Arbeit von Kavokin und Kollegen verbessert das Verständnis der biologischen Prozesse, die Zugvögeln die Orientierung am Erdmagnetfeld ermöglichen – und eröffnet zugleich neue Fragen darüber, wie empfindlich dieser Sinn gegenüber künstlichen elektromagnetischen Feldern ist.