Vier Jahre lang wurde der Lizenzstreit zwischen Arm und Qualcomm als Stellvertreterkrieg um die Zukunft von Windows-auf-Arm-Notebooks verfolgt. Die Neuauflage des Verfahrens in Delaware beendet ihn nicht: Laut heise online entschied die Jury bei unterschiedlichen Ansprüchen zugunsten beider Seiten — ein klarer Sieg für einen der Konzerne sieht anders aus.
Der Streit begann 2022, als Arm gegen die rund 1,4 Milliarden Dollar teure Übernahme des von ehemaligen Apple-Chiparchitekten gegründeten Start-ups Nuvia durch Qualcomm klagte. Arm argumentierte, Nuvias Architekturlizenz lasse sich nicht einfach auf den neuen Eigentümer übertragen; Qualcomm hielt entgegen, die eigene Lizenz decke die Arbeit ab. Im Zentrum standen die Oryon-CPU-Kerne, die Qualcomms Snapdragon-X-Prozessoren antreiben — die Chips hinter einer Generation von Windows-Notebooks mit Arm-Architektur.
Der erste Prozess im Dezember 2024 endete ergebnislos: Die Jury befand, dass Qualcomm Teile der Vereinbarung nicht verletzt habe, konnte sich bei anderen Ansprüchen aber nicht einigen. Genau daraus entstand die nun abgeschlossene Neuauflage. Ein geteiltes Urteil bedeutet, dass keine der zentralen Thesen vollständig bestätigt wurde: Arm konnte eine so breite missbräuchliche Nutzung der Nuvia-Lizenz, wie sie argumentiert hatte, nicht belegen; Qualcomm erhielt keine pauschale Bestätigung, dass seine bestehende Lizenz alles abdeckt, was das Unternehmen ausliefert.
Kurzfristig ändert sich wenig. Qualcomm liefert weiter Arm-kompatible Siliziumchips und entwirft sie auch; Arm erhebt weiter Lizenzgebühren von einem Kunden, der zugleich zum Konkurrenten wird, da das britische Unternehmen auf eigene Designs und Chiplet-Produkte setzt. Doch die juristische Unklarheit ist teuer: Jedes Prozessjahr ist ein Jahr, in dem die Bedingungen einer grundlegenden Architekturlizenz umstritten bleiben. Beide Seiten haben Berufung signalisiert — das Urteil ist ein Meilenstein, kein Endpunkt.
Die größere Frage ist dieselbe wie 2022. Arms Lizenzmodell ist das wirtschaftliche Herz des Unternehmens, und wie frei ein Lizenznehmer zugekaufte Designs weiterverwenden darf, beobachten alle Chipfirmen mit Zukaufstrategie genau. Für Qualcomm ist der PC-Vorstoß die Wachstumsgeschichte, die die Abhängigkeit vom Smartphone verringern soll — und sie hängt an genau jenen Kernen, über die die Jury nun entschieden hat.
Das letzte Kapitel schreibt wohl ein Berufungsgericht, nicht die Jury.




